Tag der Forschung 2026: Wildnis als Referenzraum für Wissen und Entscheidungen
Naturrauminventur 2023-2025
Welche Entwicklungen lassen sich in einem Wald beobachten, wenn natürliche Prozesse über lange Zeit ohne Nutzungseinflüsse ablaufen? Antworten darauf liefert das UNESCO‑Weltnaturerbe Wildnisgebiet Dürrenstein‑Lassingtal als international bedeutender Referenzraum für Forschung und Monitoring.
Beim Tag der Forschung 2026, der am 19. März im Haus der Wildnis stattfand, wurden zentrale Ergebnisse der Naturrauminventur 2023–2025 vorgestellt. Ziel der Veranstaltung war es, aktuelle Forschungsergebnisse nicht nur zu präsentieren, sondern deren Bedeutung für Praxis, Monitoring und Entscheidungsprozesse sichtbar zu machen.
„Die Naturrauminventur liefert Wissen, das weit über den Naturschutz hinaus Bedeutung hat. Das Wildnisgebiet ist ein international anerkanntes Naturjuwel und ein Leuchtturm der Forschung.“
LH‑Stv. Stephan Pernkopf

Forschung im Prozessschutzgebiet
Im Rahmen der Naturrauminventur wurden Daten aus unterschiedlichen Fachbereichen zusammengeführt – darunter Vegetation, Vogelwelt, Fischökologie, holzbewohnende Käfer sowie FFH‑Lebensräume und Biotoptypen. Ergänzend wurde die Stichprobeninventur der Österreichischen Bundesforste an die Anforderungen eines Prozessschutzgebietes angepasst und in das Monitoringsystem des Wildnisgebietes integriert. Damit wurde eine wichtige Grundlage für ein langfristiges, vergleichbares Monitoring geschaffen.
„Die Naturrauminventur zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll Prozessschutzflächen sind. Ohne Wildnis würden viele ökologische Zusammenhänge verborgen bleiben.“ Christoph Leditznig, Geschäftsführer Wildnisgebiet Dürrenstein‑Lassingtal

Lernen aus der Wildnis – mit Blick auf die Praxis
Ein zentrales Thema des Tag der Forschung war der Wissenstransfer: Welche Erkenntnisse aus Naturwald‑Daten sind für forstliche Praxis und Management relevant? Und wo liegen bewusst die Grenzen der Vergleichbarkeit?
Die Diskussion machte deutlich, dass Wildnis nicht als Gegenentwurf zur Nutzung verstanden werden kann, sondern als Referenzraum, der hilft, natürliche Dynamiken einzuordnen und langfristige Entwicklungen besser zu verstehen.
„Wir sehen klar, wo natürliche Dynamiken Chancen bieten – und wo der Vergleich zu Wirtschaftswäldern an Grenzen stößt. Doch genau diese Differenzierung macht die Forschung so wertvoll.“
Viktoria Igel, Forschungskoordinatorin Wildnisgebiet Dürrenstein‑Lassingtal
Auch aus Sicht der Österreichischen Bundesforste liefert die Forschung im Wildnisgebiet wichtige Orientierung:
„Für die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder ist es entscheidend, natürliche Waldprozesse zu verstehen. Das Wildnisgebiet zeigt uns, wie Ökosysteme ohne menschliche Eingriffe funktionieren – dieses Wissen gibt Orientierung für den Wald der Zukunft.“
Andreas Gruber, Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz, Österreichische Bundesforste AG

Wildnis als Basis für Langzeitbeobachtung
Als Prozessschutzgebiet sind im Wildnisgebiet Dürrenstein‑Lassingtal menschliche Eingriffe auf ein Minimum reduziert. Dadurch können ökologische Prozesse ergebnisoffen beobachtet und wissenschaftlich begleitet werden. Die Naturrauminventur 2023–2025 bildet dabei einen wichtigen Meilenstein für ein langfristiges Monitoring und für die internationale Vergleichbarkeit von Naturwald‑Daten.

Download
Der Endbericht der Naturrauminventur 2023–2025 steht online zum Download bereit:
👉 www.wildnisgebiet.at/ueber-uns/alle-publikationen





1.R.v.l.: Zoran Trailovic (Waldinventur, Österreichische Bundesforste), Christoph Leditznig (Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal), Thomas Hochebner (Erhebung der Avifauna), Petr Zabransky (Erhebung xylobionter Käfer STMK)
2.R.v.l.: Gerhard Rothender (Erhebung der Avifauna), Julian Pleyer (Vegetationskartierung), Moritz Fallgatter (Vegetationskartierung), Jakob Neuburg (Erhebung der Fischbiomasse und des Artenspektrums, BOKU Wien), Viktoria Igel (Biotopkartierung und FFH-Lebensraumkartierung, Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal), Andreas Gruber (Österreichische Bundesforste), Ramona Schmidt (Wissenschaftliche Leitung Haus der Wildnis) ©Wildnisgebiet/K.Pfligl
Förderhinweis
Die vorgestellten Ergebnisse wurden im Rahmen eines Projekts erhoben, das durch den Biodiversitätsfonds sowie durch die Europäische Union – NextGenerationEU gefördert wurde.
Die Veranstaltung „Tag der Forschung 2026“ wurde mit Unterstützung des Waldfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft umgesetzt.









