Was haben xylobionte Käfer und Gesteinsflechten gemeinsam?
Auf den ersten Blick fallen nur die Unterschiede auf: Erstere sind an Totholz gebunden, das je nach Struktur und Zersetzungsgrad vielfältige Lebensräume schafft; Letztere besiedeln exponierte Felsen und wachsen dort über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte in kaum wahrnehmbarem Tempo.
Wer sich mit xylobionten Käfern auseinandersetzt, blickt unweigerlich zurück in eine Zeit, in der Totholz ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Wälder war. Ihre Vielfalt ist ein lebendiges Archiv früherer Waldstrukturen, in denen Bäume wuchsen, starben und lange stehen blieben – oft über viele Jahrzehnte – bevor sie schließlich fielen, um dann an Ort und Stelle über Jahrhunderte zu vergehen. Gesteinsflechten verkörpern wiederum jene langsame, beharrliche Entwicklung, die nur dort möglich ist, wo Lebensräume über lange Zeit hinweg ungestört bleiben. Zwischen beiden spannt sich ein weiter zeitlicher Bogen – und doch begegnen sie einander im Wildnisgebiet oft auf engstem Raum.


Daher ihre große Gemeinsamkeit: Sie sind stille Chronisten langfristiger natürlicher Prozesse und dokumentieren eine ökologische Kontinuität, die in unserer schnelllebigen Welt selten geworden ist.
Beide, xylobionte Käfer und Gesteinsflechten, sind zentrale Themen der neuen Ausgabe der Silva Fera.
Die wissenschaftliche Zeitung des Wildnisgebietes, in der aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert werden, ist in gedruckter Form, aber auch zum gratis Download auf der Homepage des Wildnisgebietes verfügbar: Silva fera - Band 10


Die Silva Fera versteht sich jedoch nicht nur als Sammlung fachlicher Beiträge, sondern auch als Anerkennung jener Beharrlichkeit, die notwendig ist, um Orte wie das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal zu bewahren und wachsen zu lassen. Daher ist in dieser Ausgabe einer Person gebührender Raum geben, die mit ihrem Engagement maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Schutzgebiet in seiner heutigen Form bestehen kann. Karl Splechtna war ein unkonventioneller Freigeist, der keine Scheu hatte, unbequem zu sein, wenn es der Sache diente. Wir bedauern zutiefst, dass seine Würdigung nun in Form eines Nachrufs erfolgen muss. Der Artikel über ihn beleuchtet einen Teil der Entstehungsgeschichte des Wildnisgebietes und darf uns daran erinnern, dass hinter jedem geschützten Hektar Wald Menschen stehen, die sich mit vollem Herzen eingesetzt haben.
Autorinnen: Viktoria Igel und Maria von Rochow






