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Das Wildnisgebiet

Das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal bewahrt mit dem Urwald Rothwald den größten Urwaldrest des gesamten Alpenbogens und ist seit 2017 UNESCO-Weltnaturerbe.

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Exkursionen

Exkursionen in das Wildnisgebiet bieten die Möglichkeit die Wildnis hautnah zu erleben.

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Über uns

Die Schutzgebietsverwaltung des Wildnisgebietes Dürrenstein-Lassingtal hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen eine emotionale Verbundenheit mit der Natur zu ermöglichen.

Frühling in der Wildnis

Wildnisgebiet
Artikel
Der Frühling ist eine sensible Zeit. Im Wildnisgebiet zeigen Pflanzen, Tiere und Gewässer, wie wichtig ungestörte Abläufe für das Gleichgewicht der Natur sind.

Das Frühlingserwachen – Zeit zum Aufatmen

Wenn die Tage länger werden und die Sonne an Kraft gewinnt,beginnt auch im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal ein langsames Erwachen. Gleichzeitig mit den Balzgesängen der Vögel beginnen auch in der Pflanzenwelt die ersten Pioniere des Frühlings, wie Schneeglöckchen und Bärlauch, zu blühen. Als Frühblüher zehren diese Blumen von den Energiereserven ihrer Zwiebeln und nutzen die lichtreiche, konkurrenzarme Zeit, bevor die Baumkronen sich wieder schließen und nur mehr wenig Sonnenlicht die Bodenvegetation erreicht. Es ist nur eine von unzähligen Überwinterungsstrategien, denn jedes Lebewesen hat seinen eigenen „Trick“ zum Überleben entwickelt.

Bäume und Sträucher bereiten sich bereits im Winter auf dasFrühjahr vor. In den Knospen entwickeln sie die fertigen Blattanlagen und warten nur auf ausreichend Wärmeimpulse. Sobald die Nächte dauerhaft frostfrei sind, steigt ihr Saftfluss wieder an und die Zellen werden besser mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Es beginnt die nächste Vegetationsperiode.

©Wildnisgebiet/Hans Glader

Während die Pflanzen auszutreiben beginnen, verlassen auch Amphibien ihre Winterquartiere. Frösche, Kröten und Salamander verbringen den Winter gutgeschützt. Dazu bieten sich frostfreie Verstecke, in Erdhöhlen, unter Wurzeln, im Laub oder in feuchten Kellern an. Sobald es in den Nächten längere Zeit über 5 °C hat, wandern sie zu ihren Laichgewässern. Straßen stellen dabei oft tödliche Barrieren dar. Amphibien sind aus den unterschiedlichsten Gründen stark gefährdet und stehen daher unter strengem Schutz. Gezielt eingesetzte Maßnahmen reduzieren die Todesfälle bei den Wanderungen zu den Laichplätzen. Deshalb gibt es entlang von stark befahrenen Straßen sogenannte Krötenzäune und freiwillige Helfer*innen, die die Tiere über die Straße tragen, tragen zum Überleben von Kröte & Co bei.

©Wildnisgebiet/Hans Glader

Neben Tieren und Pflanzen erwachen aber auch weniger beachtete Organismen - Pilze. Pilze reagieren sensibel auf die steigende Bodentemperatur und -feuchte und „kurbeln“ die Aktivität ihres Myzels an. Die Fruchtkörper von Arten wie der Frühjahrslorchel oder den Morcheln erscheinen in den Auen und Wäldern. Gleichzeitig setzen mikrobiologische Prozesse im Boden ein. Abgestorbene, organische Substanzen werden zerlegt und Nährstoffe freigesetzt. Ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Kreislaufes, denn durch das gesteigerte Wachstum der Pflanzen werden Nährstoffe dringend benötigt.

Die Schneeschmelze lässt Bäche anschwellen und transportiert, beginnend in den kleinsten Bächen, frische Sedimente in die Flüsse. Diese Dynamik schafft neue Lebensräume und liefert Nährstoffe, etwa für Kiesbankbewohner oder spezialisierte Pflanzenarten in den Flussauen.

©Wildnisgebiet/HansGlader

Was jedes Jahr nahezu gleich abläuft, verändert sich aktuell allerdings mit jedem Zyklus immer stärker. Durch den Klimawandel verschieben sich Abläufe und führen bei uns in Mitteleuropa zu einem frühzeitigen Frühlingserwachen. Bäume treiben zeitiger aus, was sie anfälliger für Gefahren durch Spätfröste macht. Auch die anorganische Natur verändert sich. Durch den Klimawandel wird die Schneedecke oft dünner und unregelmäßiger. Das verändert nicht nur die Frühjahrshochwasser-Dynamik, sondern wirkt sich auch auf den Wasserhaushalt des ganzen Jahres aus. Neueste Untersuchungen haben gezeigt, dass gerade die Winterniederschläge für unsere Wälder von großer Bedeutung sind. Mit der Schneeschmelze füllen sich die Böden mit Schmelzwasser, das besonders gut aufgenommen werden kann, da es langsam und kontinuierlich anfällt. Die Starkregen im Sommer können durch deren raschen Abfluss oftmals nur unzureichend von den Böden aufgenommen werden, sodass Trockenstress für die Vegetation entsteht.

Frühling bedeutet daher nicht nur das Erwachen der Natur, sondern auch ein empfindliches und störungsanfälliges Zusammenspiel von Prozessen. Eine gute Zeit, um aufmerksam durch die Landschaft zu gehen, ihre Zeichen zu lesen – und sie zu schützen.

©Wildnisgebiet/HansGlader

Autorin: Nina Schönemann