Projekt MetaFung zeigt die bisher unentdeckte Pilzvielfalt in Österreichs Großschutzgebieten
Ein großer Teil der biologischen Vielfalt bleibt für uns unsichtbar. Gerade im Boden laufen jedoch Prozesse ab, die für funktionierende Ökosysteme unverzichtbar sind. Das Forschungsprojekt MetaFung hat diese verborgene Welt erstmals großflächig in österreichischen Großschutzgebieten untersucht. Auch das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal war Teil der Studie, deren Ergebnisse Anfang Juli im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft vorgestellt wurden.
Untersucht wurden insgesamt acht österreichische Großschutzgebiete: die Nationalparks Thayatal, Neusiedler See-Seewinkel, Donau-Auen, Kalkalpen, Gesäuse und Hohe Tauern, der Biosphärenpark Wienerwald sowie das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal.
Pilze übernehmen in Ökosystemen zentrale Aufgaben. Sie bauen abgestorbenes Holz und organisches Material ab, machen Nährstoffe wieder verfügbar und leben häufig in enger Verbindung mit Pflanzenwurzeln. Dadurch tragen sie wesentlich zur Humusbildung, zu Stoffkreisläufen und zur Stabilität von Lebensräumen bei.

Im Rahmen von MetaFung wurden 320 Bodenproben auf 190 Probeflächen analysiert. Die Forschenden konnten dabei 15.695 genetisch unterscheidbare Pilzeinheiten nachweisen. 5.101 davon ließen sich bereits bekannten Arten zuordnen. Zudem wurden 205 Arten der österreichischen Roten Liste dokumentiert, darunter 25 vom Aussterben bedrohte Pilzarten.
Besonders bemerkenswert ist, dass diese Zahl an genetisch unterscheidbaren Pilzeinheiten die bisher bekannte Zahl der Pilzarten in Österreich übersteigt. Derzeit sind rund 13.000 Pilzarten bekannt, genetische Daten liegen jedoch erst für etwa 4.500 Arten vor. Die Ergebnisse von MetaFung zeigen damit deutlich, wie groß die Wissenslücken über die Pilzvielfalt bislang noch sind.

Für die Untersuchungen kam die Methode des eDNA-Metabarcodings zum Einsatz. Dabei werden nicht die Organismen selbst untersucht, sondern ihre genetischen Spuren in Bodenproben. So können auch Pilze nachgewiesen werden, die keine sichtbaren Fruchtkörper bilden oder mit klassischen Methoden nur schwer zu erfassen sind.
Die Auswertungen zeigen außerdem, dass jedes Schutzgebiet eine eigene und unverwechselbare Pilzgemeinschaft beherbergt. Viele Pilzarten sind eng an bestimmte Baumarten, Bodeneigenschaften und natürliche Prozesse gebunden. Naturnahe Schutzgebiete wie das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal leisten daher einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser oft verborgenen biologischen Vielfalt.

Die Ergebnisse von MetaFung liefern zugleich eine wertvolle Grundlage für zukünftiges Biodiversitätsmonitoring. Sie zeigen, welche Bedeutung großflächig geschützte Naturräume nicht nur für bekannte Tier- und Pflanzenarten haben, sondern auch für jene Organismengruppen, die im Verborgenen leben und bisher nur wenig erforscht sind.
Das Projekt wurde vom Nationalpark Thayatal initiiert und durch den Biodiversitätsfonds des Bundes finanziert. Die Forschungsergebnisse wurden in der Broschüre „Verborgene Vielfalt – Die unsichtbare Welt der Pilze“ veröffentlicht. Sie eröffnet einen neuen Blick auf die faszinierende Vielfalt, die sich unter unseren Füßen verbirgt.
Titelfoto: Agnes Erler (BMLUK), Christian Übl (NPTT), Julian Haider (NPTT), Christoph Leditznig (WGDL), Andreas Weiß (BPWW), Karoline Zsak (NPDA), Jürgen Schneider (BMLUK), Markus Gorfer (AIT), Stephanie Blutaumüller (NPA), Kerstin Michel (BFW), Irmgard Krisai-Greilhuber (Universität Wien)
© NPTT/Teresa Nunner
Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert.









