Positionen

Scheinbar Widersprüchliches aus einem besonnenen Blickwinkel zu betrachten, eröffnet nicht selten neue Erkenntnisse. Wie schön ist es zu erkennen, dass ein behutsam bewahrtes und teilweise verschlossenes Waldgebiet großes für Menschen und Klima leisten kann.

Hier unsere Positionen zu „Rückkehr der Beutegreifer“ und zum Thema Biodervisität.

Rückkehr der Beutegreifer

Im Positionspapier „Die Rückkehr der Jäger?“ beziehen Reinhard Pekny und Christoph Leditznig von der Schutzgebietsverwaltung Wildnisgebiet Dürrenstein Stellung zum aktuellen und brisanten Thema „Groß-Prädatoren“.

Viel Mythos, wenig Wissen und viel Fehlinformation prägen die Diskussionen und Medienbeiträge. Die Rückkehr von Beutegreifern wie Wolf und Luchs sowie deren Rolle im Ökosystem werden auch von seriösen Autoren sehr unterschiedlich bewertet.

Bei einem so breiten Spektrum an Erkenntnissen fällt es schwer, zu einer objektiven Beurteilung zu kommen. Wie so oft scheint sich zu bestätigen, dass allgemein gültige Aussagen und dogmatische Regeln den komplexen Abläufen und Zusammenhängen in der Natur nicht gerecht werden.

Raubtiere im Wildnisgebiet

Versucht man an die gesamte Thematik möglichst (völlig ist nicht möglich) unvoreingenommen heranzugehen, sollten folgende Punkte außer Streit gestellt werden:

Die Großprädatoren sind kein jagdliches Thema. Unsere Jagdgesetze sehen vor, dass sich der Jäger Wildtiere aneignen darf, die lebenden Tiere sich jedoch nicht im Besitz des Jagdausübenden befinden. Eine signifikante Reduktion der oftmals zu hohen Schalenwildbestände ist durch Wolf und Co nicht zu erwarten.

Leidtragende können einzelne Landwirtschaftsbetriebe sein, die eine entsprechende Entschädigung durch die Gesellschaft erfahren müssen. Unterschiedlichste Modelle könnten hier angedacht werden. V. a. für präventive Maßnahmen sollten Geldmittel zur Verfügung gestellt werden. Wie in einzelnen Bundesländern Deutschlands auch möglich, sollten Entschädigungen auch dann geleistet werden, wenn der tierische Verursacher nicht eindeutig festgestellt werden kann.

Und damit sind wir beim tatsächlichen Kern der Thematik angelangt: Es stellt sich die elementare Frage: Will der Mensch seinen Alleinanspruch an diese Welt weiter behaupten, oder auch anderen Lebewesen ein inhärentes Existenzrecht zuerkennen?

Die Schutzgebietsverwaltung Wildnisgebiet Dürrenstein bekennt sich zur Rückkehr der Groß-Prädatoren, da gerade im Umfeld des Wildnisgebietes insbesondere für Luchs, Wolf und Braunbär ausreichend Lebensräume existieren. Wir wünschen uns, dass diese Thematik auf sachlicher Ebene weiter behandelt wird, und die Rückkehrer toleriert werden – unter gleichzeitiger Schaffung eines Entschädigungspools für betroffene Betriebe. Gleichzeitig kann und wird von der Wildnisgebietsverwaltung keine Initiative zur Wiedereinbürgerung dieser Tierarten ausgehen, da die Lebensräume im Wildnisgebiet selbst dafür viel zu klein sind und weil dies nur im Konsens mit Partnern funktionieren würde. Wir freuen uns aber im Sinne unseres Auftrages zum Erhalt einer natürlichen Artenvielfalt über jeden Zuwanderer.

Biodiversität – Liebhaberei einiger Ökologen oder unverzichtbarer Schatz für Alle?

Der Verlust der Artenvielfalt wird seit vielen Jahren beklagt. Und er schreitet trotzdem immer schneller voran, sodass wir heute schon von einem weiteren großen Massenaussterben sprechen, das aber nicht von Naturkatastrophen ausgelöst wird, sondern von uns Menschen.

Leider ist es sehr schwer zu vermitteln, warum die Vielfalt des Lebens und das vorhanden sein von unberührter Natur auch für den zivilisierten Menschen, der zu zwei Dritteln in relativ sterilen Großstädten wohnt, von Bedeutung ist.

Eine jahrelange Untersuchung der Universität Ulm brachte dazu erstaunliche Ergebnisse, die im Angesicht der aktuellen Situation auf der Welt gute Belege für die Auswirkungen des Biodiversitätsverlustes auf das menschliche Leben liefert.

Die meisten (etwa 70 %), neu auftretenden Krankheiten bei uns Menschen sind sogenannte Zoonosen, also von Erregern verursacht, die von Tieren auf uns Menschen übertragen werden.

Mit der zunehmenden Umweltzerstörung und dem Urbarmachen von Wildnis sinkt die Vielfalt der dort lebenden Arten. Damit erhöht sich häufig die Individuenzahl von „Allerweltsarten“, welche die fehlende interspezifische Konkurrenz nutzen und sich stärker vermehren. Damit erhöhen sich die innerartlichen Kontakte der Wirtstiere und somit auch die Übertragungswahrscheinlichkeiten für einen Erreger. Denn bei Kontakt mit einem Individuum einer fremden Spezies könnte der Erreger nicht erfolgreich andocken und sich weiter vermehren.

Aus diesem Grund ist es ein großer Unterschied für die Ausbreitung der Erreger, ob es 20 Arten einer Gattung gibt oder nur mehr eine.

Feld
Monotone, mit Herbiziden behandelte Agrarflächen sind das Ende der Biodiversität

Wie die langjährigen Studien gezeigt haben, steigt durch das menschliche Vordringen und die Reduktion der Biodiversität die Wahrscheinlichkeit des Auftretens neuer Zoonosen ganz deutlich! Welche Kosten und Folgen diese Krankheiten für alle Menschen haben können wurde uns durch die Ausbreitung der Covid-19 Virus so deutliche wie noch nie vor Augen geführt. 

Die Erhaltung der Biodiversität, die Bewahrung von Rückzugsgebieten und von großen Lebensräumen ohne menschliche Einflussnahme ist nicht das „Pläsierchen“ von einigen „grünen Spinnern“, sondern eine grundlegende Notwendigkeit für die Existenz der gesamten Menschheit!

Es ist höchste Zeit, die Bedeutung und den Wert der Biodiversität, die weit über die Verhinderung von Zoonosen hinausgeht, endlich ins Bewusstsein zu holen und jene Wertschätzung des Ungenutzten, des „scheinbar Nutzlosen“ zu erreichen, die für die Absicherung unserer Zukunft unabdingbar ist.

Mischwald
Mischwald durchsetzt von Freiflächen und Mooren beheimaten eine hohe Artenvielfalt
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