Neue Schlupfwespen-Art für das WGD

2011-07-11-schlupfwespe_01Ein spannendes Beispiel für Parasitismus bei Holz bewohnenden Insekten

Die Schlupfwespe Megarhyssa rixator (Schellenberg, 1802) ist eine von über 3000 Arten Mitteleuropas. Diese parasitische Schlupfwespe hat einen 8 cm langen Legebohrer, der damit doppelt so lang ist wie der Körper – eine außergewöhnliche Besonderheit dieser Art und nur ganz weniger nahe verwandter Arten. Die übrigen Schlupfwespenarten haben nur höchstens körperlange Legebohrer. Megarhyssa rixator zieht vor Beginn des Bohrvorgangs den Legebohrer (der in der Ruhelage nach hinten ausgestreckt ist und dem 4 cm langen Tier dann eine Gesamtlänge von 12 cm verleiht) in den Hinterleib zurück und lässt ihn am Rücken zwischen den hinteren Segmenten als Schleife wieder austreten. Dabei spannt sich die Intersegmentalhaut sozusagen wie ein Tennisschläger auf. Erst jetzt kann die Wespe den Bohrer ansetzen und ins Holz treiben, weil sie mit dem ausgestreckten Bohrer gar nicht zwischen ihren Beinen ans Holz herankommen kann, da er viel zu lang wäre.

Megarhyssa rixator ist sehr selten und kommt in Deutschland nur im Schwarzwald und in den Alpen vor. In Österreich gilt die Art als großräumig verbreitet, wird aber selten gefunden und publiziert. Wo größere Bestände absterbender Bäume einer natürlichen Entwicklung unterliegen, ist mit dem sicheren Vorkommen von Megarhyssa-Arten zu rechnen.

Das Weibchen von Megarhyssa spürt mittels Geruchsinn (wahrscheinlich auch durch die Wahrnehmung von Vibrationen) die sich in Holz entwickelnden Wirtslarven auf. Die geruchliche Wahrnehmung wird durch einen Pilz ermöglicht, der sich im Fraßmehl der Wirtslarven entwickelt, die Intensität steigt mit dem Feuchtigkeitsgrad des Holzes. Der Wirt (Megarhyssa parasitiert Holzwespen-Larven) wird während der Eiablage paralysiert, der Bohrvorgang dauert ca. 30 Minuten. Die Larvenentwicklung beträgt 1 Jahr, die Männchen schlüpfen vor den Weibchen, lauern diesen beim Schlüpfloch auf, die Kopula erfolgt gleich beim Erscheinen des Weibchens. Es gibt mehrere ähnliche Schlupfwespen-Arten, die bei unterschiedlichen Wirten parasitieren (z.B. bei Larven von Bockkäfern, Holzwespen ...), die bekannteste Art ist Rhyssa persuasoria.

Fundbeschreibung: Weibchen von Megarhyssa rixator bei der Eiablage auf Fichte, Wildnisgebiet Dürrenstein – Hundsau, 28. Juni 2011, ca. 20 Uhr 30 in der Dämmerung, fotografiert von Theo Kust, die Artbestimmung erfolgte durch Martin Schwarz.