Microlepidoptera im Wildnisgebiet Dürrenstein

Das Wildnisgebiet Dürrenstein stellt für Niederösterreich einen äußerst wichtigen
und einmaligen Naturraum dar. Aus europäischer Sicht sind die östlichen Kalkalpen
noch einmal von besonderer Bedeutung, da sie nie vergletschert waren und daher
eine besonders hohe Zahl an Endemiten beherbergen.  Viele Arten Niederösterreichs
konnten nach Jahrzehnten wieder nachgewiesen werden, rund 10 Arten wurden neu
für Niederösterreich entdeckt.

Einige Beispiele für die von Wolfgang Stark  für Niederösterreich oder Österreich neu gefundenen Arten, sowie auch Arten von besonderer Bedeutung (z.B. Endemiten):

Caryocolum moehringiae, Foto: Gerhard Rotheneder

 

Caryocolum moehringiae, neu für Niederösterreich

Caryocolum moehringiae lebt an Moehringia muscosa und M. bavarica. Die Art ist für die meisten Bundesländer nachgewiesen und kommt zumindest in höheren Regionen des Wildnisgebietes (Geröllhalden) sehr regelmäßig wenn nicht häufig vor.

 

  • Phiaris scoriana, neu für Niederösterreich
    Phiaris scoriana, Foto: Gerhard Rotheneder

Phiaris scoriana ist aus allen westlichen Bundesländern nachgewiesen (also nur nicht aus dem Burgenland und Wien), der Nachweis für Niederösterreich ist daher nicht all zu überraschend.

 

 

  • Chamaesphecia amygdaloidis, für Niederösterreich bestätigt

Bezüglich der besonders beachtenswerten Art „Chamaesphecia amygdaloidis SCHLEPPNIK, 1933“ wurden geeignete Futterpflanzen und Bereiche im Wildnisgebiet identifiziert. Der Zuchtvorgang wurde geplant und an „Chamaesphecia hungarica (TOMALA, 1901)“ aus anderen Gebieten bereits getestet. Anfang Juli wurden dann in aufwändiger Suche zwei Puppen in den alten, völlig niederliegenden Stämmchen von Euphorbia austriaca gefunden (oberhalb der Legsteinalm). Leider ergab die Zucht nur zwei Parasiten, der Nachweis ist aber dennoch erbracht.
2017 konnte dann der Bereich unterhalb des Umkehrplatzes Legsteinalm als zentrales Biotop identifiziert werden. Es wurden 4 Falter aus 6 Puppen gezogen und es konnten 3 Imagines an der Futterpflanze gefunden werden! 2018 konnte ein Weibchen im Flug nachgewiesen werden.

Links Weibchen, rechts Männchen von Chamaesphecia amygdaloidis, Foto: Gerhard Rotheneder

 

Literatur:

SCHLEPPNIK, A. 1933: Chamaesphecia stelidiformis Frr. f. n. amygdaloidis. Tafel III. - Zeitschrift des Wiener Entomologen-Vereins 18: 24–25.