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International Ornithological Congress 2018

Das Wildnisgebiet war zum ersten Mal auf einem Internationalen Ornithologenkongress vertreten. Dieser findet alle vier Jahre statt und fand heuer von 20. bis 26. August 2018 in Vancouver, Canada, statt. Das Wildnisgebiet präsentierte seine zwei Eulenprojekte: das Habichtskauz-Wiederansiedlungsprojekt und das Kleineulenprojekt. Zu den Präsentationen kamen Forscher und Interessierte aus aller Welt, wie zum Beispiel aus Canada, USA, Mexiko, Peru, Südafrika, Australien, Neuseeland, Russland bis Sachalin, Japan, China, Portugal, Dänemark, England, Italien, Finnland, Österreich usw. Es war eine Freude, dass das Wildnisgebiet und seine Projekte auf so viel Interesse und Wertschätzung von Forschern aus aller Welt trafen. Auch einige Eulenforscher, die am World Owl Congress im September 2017 in Portugal waren, waren vor Ort, um die fachlichen Diskussionen fortzusetzen und Pläne zu schmieden für weitere Projekte.

Opening Ceremony Parade (Foto: Ingrid Kohl)
Poster Owl Monitoring (Foto: Ingrid Kohl)
Poster Ural Owl (Foto: Ingrid Kohl)

Die außergewöhnlichste Sehenswürdigkeit gleich neben dem Stadtkern von Vancouver ist der über 400 ha große Stanley Park – der größte Stadtpark Canadas und der drittgrößte Stadtpark Nordamerikas. Sehenswürdigkeiten im Stanley Park sind unter anderem das Vancouver Aquarium, der Beaver Lake und die Lost Lagoon, eine ehemalige Meereslagune, die 1916 durch den Straßenbau vom Meer abgeschnitten wurde. Der größte Teil des Parks besteht aus einem Wald mit rund einer halben Million Bäume.

Stanley Park (Foto: Ingrid Kohl)
Stanley Park Lost Lagoon (Foto: Ingrid Kohl)
Stanley Park Beaver Lake (Foto: Ingrid Kohl)

Der Wald, der große Teile des Parks bedeckt, ist nicht das Ergebnis von Landschaftsarchitektur, sondern ist natürlich gewachsen. Der Baumbestand ist mehrheitlich Sekundärwald und besteht aus hochgewachsenen Douglasien, Riesenlebensbäumen, Westlichen Hemlocktannen und Sitka-Fichten. An vereinzelten Stellen ist auch unberührter Primärwald anzutreffen. So war ein täglicher Fußmarsch von der Konferenz in der Großstadt mit Wolkenkratzern in einen zum Teil unberührten, wilden Primärwald möglich – eine große Freude als Wildnisgebietsmitarbeiterin Primärwald sogar so nahe an einer Großstadt erleben zu können.

Stanley Park Primärwald (Foto: Ingrid Kohl)
Stanley Park Primärwald (Foto: Ingrid Kohl)
Stanley Park Primärwald (Foto: Ingrid Kohl)

Während der Konferenzwoche fanden für die Teilnehmer frühmorgendliche vogelkundliche Exkursionen in den Stanley Park statt sowie eine Nacht mit Schlafsack im Wald, um nach Eulen zu lauschen, Biber bei ihren Aktivitäten zu beobachten mit der Silhouette der Großstadt im Hintergrund, sowie Fledermäuse, Waschbären aus nächster Nähe sowie Vögel wie Kanadagänse, Gürtelfischer, Annakolibris, Bindentaucher, Goldspecht und mehr – sogar Orcas und Seehunde waren zu beobachten!

Überschattet – im wahrsten Sinne des Wortes – war die Konferenzwoche von ca. 1.800 Bränden in British Columbia durch die große Trockenheit mit Höhepunkt eine Woche vor der Tagung – bemerkbar durch Rauch über der Stadt. Der Rauch verteilte sich über British Columbia, Washington sowie Oregon. Am Tag nach der Tagung klarte es auf und auf einmal waren die Stadt, das Meer, die Berge, der Stanley Park und die berühmte Schönheit der Stadt Vancouver und des Umlandes zu sehen.

Der Stamm der Squamish bewohnte den Wald bis ins späte 19. Jahrhundert. Kapitän George Vancouver traf 1792 als zweiter Europäer während seiner Erkundungsreise auf den Stamm der Squamish. Zu dieser Zeit war das Gebiet noch eine Insel. Mittlerweile zu einer Halbinsel geworden, war das Gebiet in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts militärisches Sperrgebiet (ab dem Krimkrieg Verteidigungsbündnis zwischen den Squamish und den Briten gegen potentielle Angriffe der Russen und US-Amerikaner, später Sperrgebiet), was den Wald vor großflächigen Rodungen durch die dort tätigen Forstunternehmen bewahrte. Nach der Stadtgründung von Vancouver im Jahr 1886 beschloss der Stadtrat als erste Amtshandlung eine Petition an die Regierung mit der Bitte, das Sperrgebiet zu verpachten und in einen Park umzuwandeln. In den 1880er Jahren wurden die Häuser der Squamish von der Stadtregierung aufgrund einer vermeintlichen Pockenepidemie abgerissen und die Squamish wurden vertrieben. Auf dem Grund der einstigen Squamish-Siedlung fand die spätere Eröffnungsfeier des Parks statt. 1888 erfolgte die offizielle Eröffnung des Parks, der nach Lord Stanley, dem damaligen Generalgouverneur, benannt wurde. 1988 wurde der Park zur National Historic Site of Canada erklärt.

Zusammenfassend lässt sich über die Konferenzwoche sagen, dass der Austausch mit Forschern aus aller Welt mit neuen Projektideen und neu entstandenen potentiellen Kollaborationen sehr erfreulich und erfolgreich war und dass das wertvolle Erlebnis des Primärwaldes neben der Großstadt unseren Horizont erweitert hat!

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