Hawk Mountain Sanctuary (Kempton, Pennsylvania, US)

Hawk Mountain Sanctuary

Das Hawk Mountain Sanctuary wurde 1934 begründet und ist somit das weltweit älteste Greifvogelschutzgebiet. Es liegt im östlichen Pennsylvania entlang der Appalachen-Zugroute, ist 464 m hoch und derzeit 1.052 Hektar groß. Jährlich werden durchschnittlich ca. 20.000 Greifvögel beobachtet und es handelt sich um die weltweit längste kontinuierliche Aufzeichnung von Greifvogelpopulationen.

Am World Owl Congress WOC 2017 in Portugal an der Universität Évora konnten Kontakte zwischen Forschern weltweit geknüpft werden. So war es auch möglich Dr. Jean-Franҫois Therrien, Biologe, Greifvogel- sowie Eulenforscher aus Quebec, kennenzulernen. Auf der Rückreise vom International Ornithological Congress IOC 2018 war es möglich, das Hawk Mountain Sanctuary zu besuchen, wo JF Therrien seit acht Jahren Teil des Hawk Mountain Teams ist. Zur selben Zeit gab es sogar ein freudiges Wiedersehen von gleichzeitig vier Teilnehmern des World Owl Congress des Vorjahres – es hielten sich nämlich auch WOC Organisator und Global Owl Project Präsident David Johnsson aus den USA sowie Patricia aus Portugal am Hawk Mountain auf!

Ein herzliches Dankeschön an JF Therrien für die Führung auf den Hawk Mountain, zu den Forschungseinrichtungen sowie zum Besucherzentrum des Hawk Mountain Sanctuarys! Wir freuen uns auf mögliche künftige Forschungskooperationen! Alles Gute für alle Bildungs- und Forschungsvorhaben am Hawk Mountain!

www.hawkmountain.org

Hawk Mountain Sanctuary Lookout (Foto: Ingrid Kohl)
Hawk Mountain Sanctuary Forscherunterkunft (Foto: Ingrid Kohl)
Hawk Mountain Sanctuary: Wiedersehen Eulenforscher (Foto: Ingrid Kohl)
Hawk Mountain Sanctuary Bürogebäude (Foto: Ingrid Kohl)
Hawk Mountain Sanctuary: Besucherzentrum Wings of Wonder (Foto: Ingrid Kohl)
Hawk Mountain Sanctuary: Besucherzentrum Wings of Wonder (Foto: Ingrid Kohl)

Die Geschichte des Hawk Mountain Sanctuarys

Das Schutzgebiet wurde gegründet, nachdem tausende Habichtartige am Hawk Mountain erlegt wurden – forciert durch eine Abschussprämie von fünf Dollar pro Habicht ab 1929. Im Jahr 1931 berichtete der Ornithologe George Miksch Sutton im Artikel „Status of the Goshawk in Pennsylvania“ über die hohe Zahl der ausgezahlten Abschussprämien in Drehersville sowie über den beachtlichen Greifvogelzug entlang der Kittatinny Ridge. Als Reaktion auf den Artikel reiste Birder und Fotograph Richard Pough aus Philadelphia im Folgejahr 1932 an einem Sonntag im September zu dem Bergrücken über Drehersville und erlebte den Abschuss der Habichtartigen. Eine Woche später kehrte Pough mit seinem Bruder und seinem Freund Henry Collins – an einem windstillen Tag ohne Greifvögel und Abschussszenen – zurück, um einen Boden übersät mit hunderten erlegten und verletzten Rundschwanzsperbern und Eckschwanzsperbern der vergangenen Tage vorzufinden (die Habichte wurden für die Abschussprämie abgegeben, die restlichen Arten zurückgelassen). Die drei Männer erlösten die verletzten Vögel und legten alle vorgefundenen toten Greifvögel in Reihen auf. Pough fotographierte und berichtete über die Schlachtszene im Magazin Bird Lore, dem Vorgängermagazin des Audubon Magazins. In den Folgejahren bemühte sich Pough, den Abschuss zu stoppen. Im Herbst1933 zeigte Pough das Foto der Szene der Hawk and Owl Society. Die National Audubon Society drückte Interesse aus und sandte einen Ermittler, der allerdings leider an einem windstillen Tag das Gebiet begutachtete. Der Fall wurde fallen gelassen. 1933 rief Pough ein Treffen von Naturschützern über die Situation des Habichtabschusses ein mit spezieller Aufmerksamkeit auf den Hawk Mountain. Unter den Zuhörern befand sich Rosalie Edge (1877-1962), Vorsitzende des Notfall-Naturschutzkomitees (Emergency Conservation Committee). Im Juni 1934 besuchte Rosalie Edge den Hawk Mountain mit ihrem Sohn und Pough. Daraufhin borgte sich Rosalie Edge wenige Wochen später 500 Dollar für die Pacht von 566 Hektar Land mit Kaufoption. Sie stellte Gelder auf und kaufte das Gebiet wenige Jahre später im Jahr 1938 um 3.500 Dollar über das Notfall-Naturschutzkomitee. Damit gründete sie das weltweit erste Greifvogelschutzgebiet.

Im September 1934 engagierte Rosalie Edge den ersten Aufseher und Kurator, den 29-jährigen Maurice Broun (1905-1971, der beste Naturforscher - Ornithologe, Botaniker, Naturkundelehrer - weit und breit), um den Abschuss zu stoppen. Broun und seine Frau Irma postierten das Gebiet, verständigten die regionale Zeitung über das neu etablierte Schutzgebiet und engagierten einen bewaffneten Wächter, um die naheliegende Straße zu patrouillieren. Broun begann, den Greifvogelzug zu beobachten und die Zugvögel zu zählen. Es bildete sich eine naturkundliche Familie am Hawk Mountain um die gastfreundlichen Brouns. An Regentagen wurde gemeinsam an den Grenzzäunen gearbeitet, Feuerholz gemacht und Campingunterstände gebaut.

1937 wurde ein Gesetz beschlossen, in dem alle Greifvögel bis auf die Habichtartigen geschützt werden sollten. Das Gesetz wurde nicht vollzogen. Alleine in einem Umkreis von 30 Meilen um den Hawk Mountain gab es sechs Abschussstellen. Wurde ein Fischadler oder ein Weißkopfseeadler erlegt, wurde sich auf Falschbestimmung ausgeredet. Erst 1957 wurden alle Greifvögel in Nordost-Pennsylvania per Gesetz geschützt – im Gebiet des Hawk Mountain in den Monaten September und Oktober. Ein umfangreicher Schutz setzte sich erst 1969 in einem Gesetzesentwurf durch. 1970 wurde das Gesetz beschlossen – alle Greifvögel waren geschützt – bis auf die Schneeeule und den Virginia-Uhu.

1938 – nach dem Kauf des Gebietes – erklärte das Notfall-Naturschutzkomitee das Gebiet offiziell zum Schutzgebiet und überschreibt es an die im selben Jahr gegründete Hawk Mountain Sanctuary Association mit Rosalie Edge als erste Präsidentin. Am 13. September 1940 erreicht die Gesamtsumme der aufgezeichneten Greifvögel seit Etablierung des Schutzgebietes die 100.000er-Grenze. Im selben Jahr wurde das Gebiet für die Öffentlichkeit geöffnet. Im April 1942 stellt Maurice Broun während eines Vortrages für über 14.000 Sportler und Studenten einen Farbfilm über Habichtartige über dem Schutzgebiet vor, der später international verbreitet wurde durch das Brooklyn Children’s Museum. 1948 ermutigte Edge die Mitglieder, sich auch in anderen Staaten für Greifvogelschutzgesetze einzusetzen. 1949 veröffentlichte Broun das Buch „Hawk’s Aloft“. 1950 hielten Broun und Freiwillige die Abschüsse von Greifvögeln auf umliegenden Bergrücken fest. 1951 zieht die Pennsylvania Wildkommission die 5-Dollar-Abschussprämie auf Habichte zurück. 1962 verstarb Rosalie Edge im Alter von 85 Jahren.

Ihr Sohn Peter Edge schrieb eine Biographie über seine Mutter: Rosalie Edge – A Most Determined Lady (1877-1962). Ihre Naturschutzkarriere begann 1929 als sie bereits 52 Jahre alt war, nachdem sie sich Mitte der 1920er-Jahre nach ihrer Scheidung dem Vogelbeobachten verschrieb. Sie schickte ihrem Sohn Peter sogar ein Telegramm in die Schule, in dem sie ihm seltene Sichtungen entlang des Heimweges mitteilte. Im späten August 1929 begann die neue Karriere für Rosalie Edge. Als sie sich mit ihrer Tochter und ihrem Sohn in einem Hotel in Paris aufhielt, erreichte sie ein 16 Seiten langer Brief über die Naturschutzkrise. Kleine Singvögel und Insektenfresser standen zu dieser Zeit bereits unter einem gewissen Schutz, nicht jedoch alle anderen Vögel. Das Schreiben enthielt eine Liste von Vögeln, für die es bereits zu spät sei, sie unter Schutz zu stellen („beyond saving“) – vier davon sind mittlerweile ausgestorben. Andere Arten reichten von “sehr schwer zu finden” bis zum Schreikranich mit einem einzigen überlebenden Schwarm. 16 Arten wurden gelistet im “möglichen Bereich, gerettet zu werden” und zehn weitere Arten als „mehr oder weniger in Gefahr“. Heute existieren viele dieser Arten noch immer – manche in einer größeren Zahl als im Jahr 1929. Diese glückliche Tatsache ist wahrscheinlich der damaligen Naturschutzbewegung zu verdanken – zum großen Teil ausgelöst durch das erwähnte Pamphlet.

Schau, jede Generation muss sich an die Bedingungen anpassen, die sie vorfindet. Als ich ein Junge war, hast du überall Rotkehl-Hüttensänger gesehen. Sie waren häufige Vögel. Jetzt ist es im Osten sehr schwierig, welche zu finden - aber wir schaffen es, ohne sie zu leben. Viele junge Leute haben von Rotkehl-Hüttensänger gehört, sie würden gerne welche sehen, aber sie sehnen sich nicht danach. Nehmen wir die Wandertaube. Wer klagt über die Wandertaube? Sie füllten einst den ganzen Himmel in Wolken, in Audubons und Wilsons Zeit. Niemand klagt über die Wandertaube. Sie ist verschwunden. Wir haben gelernt, ohne sie zu leben. Gut. Hätte ich Kinder und Enkelkinder, wüsste ich verdammt gut, welcher Situation sie gegenüberstehen würden – einer zunehmend sterilen Welt. Aber es bedeutet nicht das Ende der Welt. Kommende Bürger werden damit zurechtkommen müssen. Sie werden irgendwie zurechtkommen.
- Maurice Broun, 1971 (1905-1971)

www.hawkmountain.org

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