Europäische Buchenwälder auf dem Vormarsch

Das größte serielle UNESCO Welterbegebiet wird noch größer.

Bei dem diesjährigen Treffen hat das Welterbekomittee der UNESCO die Aufnahme weiterer Gebiete in die Welterbestätte “Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ beschlossen. Zu den bisherigen 78 Teilgebieten kommen 15 dazu, die Anzahl der beteiligten Staaten erhöht sich von 12 auf 18. Mit 94 Teilgebieten in 18 europäischen Staaten ist sie nun die größte serielle Stätte auf der Welterbeliste der UNESCO. Sie umfasst Gebiete in Albanien, Belgien, Bosnien-Herzegovina, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kroatien, Nordmazedonien, Österreich, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, der Schweiz, Tschechien und der Ukraine. Das erfolgreiche Nominierungsdossier wurde im Auftrag der Schweiz von einem österreichischen Institut verfasst.

Jedes Teilgebiet ist einzigartig in ihrer Genetik, den klimatischen Bedingungen, den Böden, der Flora und Fauna. Die Buche selbst ist außerordentlich anpassungsfähig an unterschiedlichste klimatische, geografische und physische Faktoren und besiedelt dadurch unterschiedlichste Standorte. Sie ist sehr konkurrenzfähig und in Europa die erfolgreichste Baumart seit der letzten Eiszeit.

Vor 12.000 Jahren, während der letzten Eiszeit zog sich die wärmeliebende Buche in die eisfreien Gebiete im Süden Europas zurück. Als das Eis langsam verschwand, startete die Buche mit der Wiederbesiedelung Europas. Sie ist die einzige Baumart, die weltweit eine solche Wiederbesiedelung eines gesamten Kontinents bewerkstelligt hat.

Trotz der Dominanz und Konkurrenzfähigkeit der Buche, finden sich im Buchen(ur)wald viele Tausend Arten an Pflanzen, Tieren und Pilzen. Buchen(ur)wälder wirken oft dunkel und schattig, bieten aber in einem unberührten Zustand mit liegendem und stehendem Totholz, Lebensraum für viele seltene Arten, die sonst nur mehr wenig Platz finden. Der Schutz der letzten Buchen(ur)wälder Europas liefert somit einen wertvollen Beitrag zum Erhalt und zur Wiederherstellung der Biodiversität und der Kohlenstoffspeicherung.

Die österreichischen Gebiete wurden 2017 auf die Liste gesetzt. Sie befinden sich im Nationalpark Kalkalpen in OÖ sowie im Wildnisgebiet Dürrenstein.

Aufgrund der bisher einzigartigen Zusammenarbeit so vieler europäischen Staaten an einem Projekt ist die Europäische Kommission darauf aufmerksam geworden. Basierend auf den Erfahrungen der Beteiligten an diesem Welterbe ko-finanziert sie in der Förderschiene „LIFE Peparatory Projects“ ein 4-jähriges Projekt zu den Werten von alten Wäldern in Europa, mit dem Titel „Protection of Old Growth Forests in Europe: Natural Heritage, Outline, Synthesis and Ecosystem Services“. Von österreichischer Seite nehmen, finanziert durch das BMK, der Nationalpark Kalkalpen, das Joanneum Research Center in Graz sowie das E.C.O. Institut für Ökologie in Klagenfurt teil.

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