Das große Krabbeln im Holz: Forschung auf der Spur der Käfer-Biodiversität

Gerhard Rotheneder bei der Montage einer Falle in der Baumkrone
Foto: Theo Kust

Unser aktuelles Kooperationsprojekt (Leitung Laura Pabst) mit den Großschutzgebieten Nationalpark Donau-Auen, Nationalpark Thayatal und Biosphärenpark Wienerwald setzt seinen Schwerpunkt auf die Artenvielfalt holzbewohnender Käfer. Kenntnisgewinn und Datenverwaltung nach einheitlichem Schema gelten als Ziele der mehrjährigen Untersuchung. 

Ein gemeinschaftliches Projekt der vier größten Schutzgebiete Niederösterreichs, gefördert im EU-Programm Ländliche Entwicklung, widmet sich ganz der Erfassung, Verwaltung und Darstellung der Biodiversität. Eine zentrale Maßnahme ist die Kartierung von auf Alt- und Totholz spezialisierten („xylobionten“) Käfern. Seit dem Frühling laufen die Erhebungen dazu im Nationalpark Donau-Auen, Nationalpark Thayatal, Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal und Biosphärenpark Wienerwald. 

Edith Klauser, Direktorin des Nationalpark Donau-Auen, erläutert: „Altholzbewohnende Käfer stellen eine sehr vielfältige Tiergruppe dar. Es finden sich darin viele beeindruckende Arten, vom stattlichen Hirschkäfer über den blauschwarz gemusterten Alpenbockkäfer bis zum leuchtend gefärbten Scharlachroten Plattkäfer. Zugleich sind diese Tiere aus Sicht des Naturschutzes besonders relevant, da ihre Lebensräume heute stark eingeschränkt sind. Ihr Überleben ist nur dort möglich, wo noch ein ausreichender Bestand an alten Bäumen vorliegt und manche der Arten gelten daher als ‚Urwaldrelikte‘. Den Schutzgebieten mit ihren Naturwäldern kommt hier eine besondere Bedeutung zu und unser Kooperationsprojekt wird dazu beitragen, das Wissen zu vermehren.“ 

„Die Käferkartierungen werden in allen vier Großschutzgebieten Niederösterreichs in abgestimmter Weise durchgeführt. Da hier mehrere Spezialisten tätig sind, wurde die Untersuchungsmethodik gemeinsam festgelegt. Die Ergebnisse werden zusammengeführt und den bestehenden Datensammlungen in Niederösterreich gegenübergestellt. So erhalten wir einen Überblick, welche Bedeutung die Schutzgebiete für den Schutz der Biodiversität und die Erhaltung natürlicher Lebensräume in Niederösterreich einnehmen. Da die Lebensräume sehr unterschiedlich sind und vom Auwald im Tiefland bis zum subalpinen Bergwald reichen, erwarten wir uns mit dieser Untersuchung einen wesentlichen Erkenntnisgewinn, vielleicht auch Neuerfassungen in Niederösterreich“, freut sich Christian Übl, Direktor des Nationalpark Thayatal, über die künftigen Ergebnisse der Zusammenarbeit der Schutzgebiete. 

Zusätzlich zum Forschungsschwerpunkt auf die faszinierenden Altholzkäfer dient das Projekt dem Ziel, das Fachwissen über die Biodiversität in den Schutzgebieten allgemein zu erweitern. Gemeinsames Datenmanagement nach einheitlichem Standard, Ausbau von vorhandenen Datenbanken etc. stehen dabei im Fokus. 

Christoph Leditznig, Geschäftsführer Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal, hält fest:Nachdem es uns bereits gelungen war, in einem ersten, gemeinsamen Schritt eine Datenbasis zu schaffen, gehen wir mit dem ‚Totholzkäfer-Projekt‘ nun einen Schritt weiter und vertiefen unseren Kenntnisstand zu dieser Tiergruppe. Wie die guten Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt haben, sind wir zusammen stärker. Die vier Schutzgebiete treten daher auch in diesem Projekt gemeinsam auf und intensivieren ihre Kooperation. Wie in so manchem anderen Bereich geht das Wildnisgebiet trotzdem einen eigenen Weg, da so manche Untersuchungsmethode hier verfeinert werden muss, um den strengen Zielen eines Weltnaturerbes und international anerkannten Wildnisgebietes gerecht werden zu können.“ 

„Der Schutz und die Förderung der Artenvielfalt spielen im UNESCO Biosphärenpark Wienerwald eine zentrale Rolle. Seit Jahren setzten wir uns mit Erhebungs- und Bildungsprojekten wie dem ‚Tag der Artenvielfalt‘ für die Biodiversität in der Region Wienerwald ein. Daher freut es uns besonders, dass wir auch im Rahmen dieses Projektes einen Beitrag leisten können. Die Ergebnisse des dreijährigen Projektes werden eine wichtige Datengrundlage für Folgeprojekte und zukünftige Erhebungen schaffen. Die erwarteten niederösterreichweiten Biodiversitätsdaten sollen sowohl der Wissenschaft als auch der interessierten Öffentlichkeit verfügbar gemacht werden“, ergänzt Andreas Weiß, Direktor des Biosphärenpark Wienerwald

Nach oben scrollen
Wildnis Dürrenstein - Icon

WILDNIS-NEWS per E-Mail

    Ihre Mailadresse wird gemäß unserer Datenschutzerklärung verwendet und gespeichert. Sie erhalten anschließend eine E-Mail, in der Sie Ihre Anmeldung bestätigen müssen. Selbstverständlich können Sie sich jederzeit wieder aus unserem Verteiler abmelden.

    Wildnis Dürrenstein - Icon