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World Owl Conference 2017

Die World Owl Conference 2017 fand von 26. bis 30. September 2017 in der UNESCO Weltkulturerbestadt Évora in Portugal statt. Tagungsort war die Universität Évora, das Colégio do Espírito Santo. In der Vergangenheit hatte die World Owl Conference 1987 und 1997 in Manitoba in Canada, 2000 in Canberra in Australien sowie 2007 in Groningen in den Niederlanden stattgefunden.

Auch das Wildnisgebiet war auf der World Owl Conference 2017 in Évora mit Vorträgen über die dort durchgeführten Eulenprojekte vertreten, sowohl zur Hauptkonferenz als auch bei einem Workshop: während der Hauptkonferenz wurden am 29. September 2017 das Eulenmonitoring (Thomas Hochebner, Ingrid Kohl) sowie die Habichtskauz-Wiederansiedlung (Ingrid Kohl) vorgestellt; im Workshop am 26. September 2017 konnten die Telemetrie-Techniken aus dem Habichtskauzprojekt (Ingrid Kohl) näher beleuchtet werden.

Beitrag des Wildnisgebietes auf der Konferenz

Somit war das Wildnisgebiet am WOC 2017 in Évora mit drei Vorträgen vertreten. In einem vierten Vortrag, in dem es um das Gesamtprojekt der Wiederansiedlung des Habichtskauzes in Österreich ging (Richard Zink), war das Wildnisgebiet Thema als eines der beiden Freilassungsgebiete neben dem Biosphärenpark Wienerwald. Im Telemetrie-Workshop wurden die Besenderungsmethoden als auch die Telemetrietechnologien vorgestellt, die im Wildnisgebiet seit 2009 im Habichtskauzprojekt angewandt wurden und werden (Ingrid Kohl). Zur Hauptkonferenz wurde das Habichtskauzprojekt im Wildnisgebiet sowie die wichtigsten Ergebnisse von 2009 bis 2017 vorgestellt (Ingrid Kohl). Im Vortrag über das Eulenmonitoring-Projekt im Wildnisgebiet, das seit 2015 durchgeführt wird (Thomas Hochebner, Ingrid Kohl) wurden die Ergebnisse der ersten drei von fünf Projektjahren vorgestellt. In Abhängigkeit zu Buchenmast-Zyklen und Kleinsäuger-Zyklen konnten in den ersten drei Jahren des Eulenmonitorings in unterschiedlicher Häufigkeit Raufußkäuze, Sperlingskäuze, Waldkäuze, Habichtskäuze und im Sommer 2017 erstmals junge Waldohreulen festgestellt werden. Mit einer Seehöhe von mehr als 1.400 m NN gehört dieser Brutnachweis von Waldohreulen zu den höchsten Österreichs.

Damit waren das seit 2008 durchgeführte Habichtskauz-Projekt in Österreich bzw. im Wildnisgebiet sowie das seit 2015 durchgeführte Eulenmonitoring-Projekt im Wildnisgebiet zwei von ganz wenigen Projekten aus dem deutschsprachigen Raum, die am WOC präsentiert wurden.

Das Wildnisgebiet Dürrenstein mit dem Urwald Rothwald ist ein IUCN Schutzgebiet der Kategorien Ia (Strict Nature Reserve) und Ib (Wilderness Area) sowie UNESCO Weltnaturerbe. Mit einem Urwald von 400 ha in Mitteleuropa und seinem strengen Schutzstatus auf einer Fläche von derzeit 3.500 ha hat das Wildnisgebiet besondere Bedeutung als Reservat für viele seltene Arten und somit als Genpool, als besonderes Habitat für alle Organismengruppen sowie mit seinen mächtigen Bäumen Brutmöglichkeiten für alle Baumhöhlenbrüter wie auch die Eulen. Dadurch war das Wildnisgebiet mit seinem Lebensraum als einzigartiges Schutzgebiet in Mitteleuropa prädestiniert, seine Eulenfauna auf der World Owl Conference 2017 vorzustellen. In einem Urwald, Wildnisgebiet oder Altholzbestand gibt es nicht nur viele Brutmöglichkeiten für Eulen, auch die Koexistenz mehrerer Eulenarten ist einfacher in einem Lebensraum wie diesem durch das Angebot an Brutmöglichkeiten, Deckung sowie das Nahrungsangebot.

Die World Owl Conference 2017

121 Teilnehmer aus 30 Nationen aus der ganzen Welt nahmen an der Konferenz teil. Das Konferenzprogramm bestand aus zwei Workshops, einem Round Table, einem Symposium, vier Keynote-Vorträgen, 63 Vorträgen, 23 Postern, einer Weinverkostung, einem abendlichen Fado-Konzert sowie zwei Exkursionen anschließend an die Konferenz am 1. Oktober 2017. Am ersten Konferenztag befassten sich die zwei Workshops mit Bildungsarbeit sowie Telemetrie, Nestcams und Datenanalysen; das Symposium behandelte die Themen Hochspannungsleitungen, Windkraftanlagen sowie Verkehrsopfer; der Round Table behandelte die Schleiereule und grenzübergreifende Forschung.

Die vier folgenden Vortragstage wurden ohne Parallelsessions durchgeführt, sodass alle Vorträge gehört werden konnten. Es waren unter anderem Forscher aus Australien, Japan, China, Nepal, Indien, Südafrika, Ägypten, Hawaii, Canada, USA, México, Finnland, Norwegen, Griechenland, Ukraine, Schottland, England, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Slowenien, Schweiz, Österreich, Spanien und Portugal als Gastgeberland vertreten. Es konnten Forschungsarbeiten, Bildungsarbeit sowie Artenschutzprojekte aus vielen Teilen der Erde vorgestellt werden.

Mit Keynote-Vorträgen beehrten Pertti Saurola aus Finnland, David H. Johnson aus den USA, Al Vrezec aus Slowenien sowie Erkki Korpimäki aus Finnland die Konferenzteilnehmer. Themenblöcke der vier Vortragstage umfassten Brutbiologie und Verhalten, Artenschutz und Lebensraumerhaltung, Kultur, Methoden, Evolution, Taxonomie und Phylogenie, Monitoring, Migration und Verbreitung, Wanderverhalten und Habitat sowie Ökologie. Behandelt wurden unter anderem Eulenarten wie Schleiereule, Kaninchenkauz, Sumpfohreule, Schneeeule, Bartkauz, Habichtskauz, Waldkauz, Raufußkauz, Sperlingskauz, Uhu, Zwergohreule, Steinkauz, Fahlkauz, Schmuckeule oder Schmuck-Zwergohreule (Unterart: Lanyu-Schmuckeule), Mangokauz, Streifenkauz, Virginia-Uhu, Davidskauz, Pueo oder Hawaiianische Sumpfohreule, Sägekauz sowie Kläfferkauz. Waren zur Zeit der World Owl Conference 2007 erst 206 Eulenarten weltweit anerkannt, waren es 2017 bereits 247 beschriebene Eulenarten weltweit.

Eröffnet wurde die Konferenz durch die Rektorin der Universität Évora Ana Costa Freitas, dem Bezirkshauptmann von Évora Carlos Pinto de Sá, dem Präsidenten von CCDR Alentejo Roberto Pereira Grilo, dem Direktor vom ICNF Alentejo Department für Naturschutz und Wälder Pedro Rocha sowie dem Vorsitzenden von LabOr/ICAAM João E. Rabaça. Das wissenschaftliche Komitee setzte sich zusammen aus David H. Johnson (Global Owl Project), James Duncan, Dries Van Nieuwenhuyse, Ricardo Tomé, Rui Lourenço und Inês Roque. Das Organisationsteam vor Ort bestand aus Inês Roque, Carlos Godinho, Rui Lourenço, Ana Marques sowie João E. Rabaça. Das internationale Netzwerk setzte sich zusammen aus Hein Bloem, Roy Leigh, Karla Bloem, James Duncan, Dries Van Nieuwenhuyse, David H. Johnson und Aki Higuchi. Das Freiwilligenteam setzte sich zusammen aus André Oliveira, Cátia Gamito, Patrícia Santos, Pedro Freitas, Pedro Ribeiro, Rui Silva, Shirley Horst, Cláudia Lopes und Luisa Crisóstomo.

Ein herzlicher Dank gilt dem gesamten Organisationsteam sowie allen Teilnehmern für das Ermöglichen einer derart reichhaltigen und wertvollen Weltkonferenz!

Fotos: Rui Lourenço, Assen Ignatov, Thomas Hochebner, Ingrid Kohl

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