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Baumklettern für Nistkästen

Anfang Oktober 2017 wurde im Wildnisgebiet erstmals die Baumklettertechnik angewandt, um zwei Nistkästen in sehr steilem Gelände zu warten bzw. zu reparieren. Multitalent und Baumkletterer Stefan Knöpfer (www.ornithoclimbing.at) unterstützte uns mit seinem Können, seiner Geschicklichkeit und seinem ökologischen Verständnis tatkräftig und mit vollem Einsatz, um zwei Nistkästen zu demontieren und einen davon zu reparieren. Ornithologe und Eulenmonitoring-Kollege Gerhard Rotheneder unterstützte uns mit der Baumklettertechnik tatkräftig und mit vollem Einsatz bei der Wiedermontage des Lärchennistkastens.

Das sichere Ersteigen hoher oder alter Bäume bedarf speziellen Baumklettertechniken. Wichtig ist dabei, den Baum so wenig wie möglich zu beeinflussen, da jede Beeinträchtigung dem teilweise sensiblen Biotop schaden kann. Besonders ist der Einsatz von Steigeisen bei Bäumen, die nicht gefällt werden sollen, zu vermeiden, da durch die entstehenden Wunden Krankheitserreger eingetragen werden können. Solche Vorgänge passieren ebenfalls auf natürlichem Wege, wir haben aber die Möglichkeit diese zu vermeiden. Gerade bei Urwaldbäumen ist die SRT (Single Rope Technik) zu bevorzugen, da es zu fast keiner Seilreibung an den Ankerpunkten kommt. Der dort oft spezielle Moosbewuchs und die Kleinstorganismen in den Gabeln werden dadurch nicht beschädigt. Epiphyten werden nicht zerstört. 

Das Seil wird mittels Schleuder und Zugleine eingebaut. Aufgestiegen wird mit verschiedenen Equipment, darunter verschiedene Rollen und Klemmen wie Bruststeig- und Fußsteigklemme. Auch Klemmknotenseile spielen eine wichtige Rolle. Das Baumklettern bringt natürlich auch immer ein gewisses Risiko mit sich, da ein Unfall im Baum schwere Folgen für den Kletterer haben kann. Daher sind eine Ausbildung und ein Wissen über die Risiken und deren Vermeidung sowie regelmäßiges Training unumgänglich!

Die beiden gewarteten Nistkästen wurden 2009 in der Anfangsphase der Habichtskauz-Wiederansiedlung montiert. Bei dem ersten gewarteten Nistkasten handelte es sich um einen Plastiknistkasten - das Nistkastenmodell, das im Biosphärenpark Wienerwald verwendet wird und wovon damals von Projektleiter Richard Zink vier Stück in der Region um das Wildnisgebiet montiert wurden. Der zweite gewartete Nistkasten war ein Lärchennistkasten im Westteil des Wildnisgebietes, der damals vom Wildnisgebietsteam montiert wurde. Die Nistkästen wurden abmontiert und in gewartetem Zustand wieder montiert.

Seit 2012 gab es in der Region um das Wildnisgebiet einige Habichtskauz-Bruten. Aber auch andere Vogelarten brüten in den Nistkästen: Waldkäuze brüten in den Nistkästen vor allem in Wirtschaftswäldern außerhalb des Wildnisgebietes. Bei den Nistkastenkontrollen wurden auch schon ein Trauerschnäpper, eine Hohltaube und ein Kleiber in den Nistkästen gefunden.

Text: Stefan Knöpfer, Ingrid Kohl

Fotos: Ingrid Kohl

www.ornithoclimbing.at

www.natuerlichkunst.at

 

Der hundertste Nistkasten

Im zehnten Jahr des Habichtskauzprojektes ist es uns gelungen, den hundertsten Nistkasten in der Region um das Wildnisgebiet zu montieren! Am 30. Juni 2017 war es so weit: nach zwei Nistkastenmontagen bei privaten Grundbesitzern – herzlichen Dank an diese für ihre Bereitschaft! – montierten wir auf Flächen der Österreichischen Bundesforste den einhundertsten Lärchennistkasten. Das stolze Montageteam waren ÖBf- & Wildnisgebietsmitarbeiter Stefan Schörghuber, Wildökologe Christoph Kainz, der seit 2014 am Kleinsäuger-Monitoring im Rothwald beteiligt ist, Landschaftsarchitekt Matthias Kainz sowie Wildnisgebietsmitarbeiterin Ingrid Kohl.

Unser Dank gilt den Österreichischen Bundesforsten für die jahrelange vorbildliche Zusammenarbeit, unter anderen dem ÖBf-Revierleiter Markus Jagersberger, in dessen Revier der hundertste Nistkasten montiert wurde. Danke an alle Kollegen, die mit ihrem großen Einsatz, Werkzeug, handwerklichem Geschick, Teamgeist und Freude in steilem Gelände über Jahre den Aufbau des Nistkastennetzwerks ermöglicht haben! Ein Dank an die Lebenshilfe für den Bau der Nistkästen sowie der Dachdeckerei Leichtfried aus Waidhofen an der Ybbs und Göstling an der Ybbs für die Bereitstellung der Dachplanen.

Nach der Montage von hundert Nistkästen ist ein Grundstock von Bruthilfen für die Habichtskäuze gelegt als Starthilfe für die Wiederansiedlung in Österreich. Neben dem Aufbau des Nistkastennetzwerks darf aber auf das Wichtigste nicht vergessen werden: auf die Schaffung und Erhaltung von natürlichen Brutplätzen: mächtige Totholzbäume mit großen Höhlen als Brutplatz für unsere größte Waldeule!

Fotos: Christoph Kainz, Matthias Kainz, Ingrid Kohl