Lichtschutzgebiet

Wenn es Nacht wird über dem Dürrenstein

So einzigartig und vielfältig die Schönheit der Natur im Wildnisgebiet bei Tageslicht erlebt werden kann, zeigt sie ihre großartigsten Geheimnisse doch erst nach dem Einbruch der Abenddämmerung. Denn während die vielen nachtaktiven Tierarten dem menschlichen Auge zumeist verborgen bleiben, entfaltet sich über den Köpfen der Besucher eine Pracht, wie sie heute nur mehr an sehr wenigen Orten der Welt erfahren werden kann: Ein nahezu unverfälschter natürlicher Sternenhimmel mit allen seinen Wundern.

Neben den rund 7000 mit freiem Auge sichtbaren Sternen zeigen sich über dem Wildnisgebiet nicht nur so prachtvolle Objekte wie die Milchstraße und das Zodiakallicht, sondern sogar Phänomene wie der so genannte Gegenschein, dessen Sichtbarkeit man in Europa für eine ähnliche Sensation einstuft, wie wenn eine als ausgestorben geglaubte Tierart wiederentdeckt wird.

Im Herzen der Natur

Diesen außergewöhnlich schönen Blick auf den Sternenhimmel verdankt das Wildnisgebiet im Prinzip dem gleichen Umstand wie die Vielfalt und Ursprünglichkeit seiner Flora und Fauna. Es ist die vergleichsweise große Entfernung zu größeren menschlichen Ansiedlungen und die schwierige Erreichbarkeit dieses Urwalds, die ihn wie eine Enklave der unberührten Natur vor den Veränderungen unserer Zeit beschützt.

Doch jeder Wanderer, der das Gebiet um den Dürrenstein schon einmal besucht hat, kann bestätigen, dass die unberührte Natur viel näher liegt, als man zunächst annehmen würde. Eine Wanderung beispielsweise von Göstling zur Ybbstalerhütte ist nicht mehr als ein Tagesausflug und sogar den Gipfel des Dürrensteins erreicht man von den umliegenden Hütten innerhalb weniger Stunden.

Das gilt auch für den dortigen Sternenhimmel: Man muss nicht gleich eine Nachtwanderung unternehmen, um die Pracht von 7000 Sternen genießen zu können, sondern es genügt eine Übernachtung auf der nahe dem Wildnisgebiet gelegenen Ybbstalerhütte bei wolkenlosem Himmel. Wenn der helle Mond gerade unter dem Horizont steht und die viel lichtschwächeren Sterne und Nebel nicht überstrahlt, genügen schon ein paar Schritte vor den Hütteneingang, um einen Sternenhimmel zu erleben, wie es ihn in ganz Europa nur noch sehr selten zu sehen gibt.

Das Schöne erhalten

Damit dieser außergewöhnlich naturnahe Blick auf den Nachthimmel auch zukünftigen Generationen erhalten bleibt, beschäftigt sich eine Gruppe von Naturschützern und Astronomen seit 2010 damit, den aktuellen Zustand mit modernsten Messmethoden zu erfassen. Zu diesem Zweck wurde auf einer Hütte in rund 1500 m Höhe ein besonders lichtempfindliches Messgerät installiert, dass sekündlich eine Messung der Gesamthelligkeit des Himmels durchführt und somit sehr genaue Aussagen darüber zulässt, wie stark die durch die umliegenden Ansiedlungen verursachte Lichtverschmutzung ist.

Nach einer einjährigen Messkampagne konnte nachgewiesen werden, dass der Nachthimmel über dem Wildnisgebiet eine ähnliche Qualität aufweist, wie man ihn sonst nur bei den größten Sternwarten der Welt in den chilenischen Anden vorfindet.

Schutzmaßnahmen

Die Internationale Astronomische Union hat im Jahr 2006 die Kriterien für so genannte Lichtschutzgebiete definiert. Dabei geht es um eine besondere Form von Naturschutzgebieten, in denen künstliche Beleuchtung so weit wie möglich vermieden, beziehungsweise vollständig abgestellt werden soll (etwa in der Umgebung von Sternwarten).

Das Wildnisgebiet Dürrenstein erfüllt die Kriterien für ein besonders gut geschütztes Lichtschutzgebiet, weshalb derzeit entsprechende Anstrengungen unternommen werden, auch das Wildnisgebiet unter einen derartigen Schutz zu stellen.

Die Messungen werden laufend weitergeführt, um etwaige Veränderungen jederzeit dokumetieren zu können.

Link zu Video über dem Wildnisgebiet Dürrenstein (Copyright Thomas Kurat):

Weitere Informationen:

Für Anfragen:

lightmeter@kuffner-sternwarte.at oder
hans.zehetner@wildnisgebiet.at

Fotos

Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Eine Vervielfältigung oder Verwendung dieser in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne Einholung der ausdrücklichen Zustimmung der Schutzgebietsverwaltung nicht gestattet. Fotoautoren: Thomas Kurat, Markus Reithofer, Günther Wuchterl, Wildnisgebiet Dürrenstein

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