Fledermausschutz im „Netzwerk Naturwald“

Die Fledermäuse zählen zu den am stärksten gefährdeten Wirbeltiergruppen in Österreich – bedingt durch die hohen Lebensraumansprüche mit zeitlich und räumlich getrennten Quartieren und Jagdgebieten. Viele Fledermausarten finden sich in den "Roten Listen der gefährdeten Tiere Österreichs" wieder. In der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU sind neun der aktuell 28 in Österreich nachgewiesenen Fledermausarten im Anhang II angeführt.

Aufgrund ihrer Wanderungen zwischen den Quartieren und den Jagdgebieten eignen sich Fledermäuse als Indikatoren für großräumige Biotopvernetzung und für Naturwälder. So zeigen aufgrund ihrer hohen Lebensraumansprüche die Bechstein- (Myotis bechsteinii), die Nymphen- (Myotis alcathoe) und in geringerem Maße auch die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) naturnahe Waldbestände und eine geringe Lebensraumzerschneidung an.

Als Pilotprojekt im Rahmen der Initiative "Netzwerk Naturwald" wurde Anfang 2013 vom Wildnisgebiet Dürrenstein ein Projekt zum Schutz von Fledermäusen initiiert. Ein Schwerpunkt ist das Anbringen von Ersatzquartieren, um das – insbesondere für Waldfledermäuse – spärliche Angebot an natürlichen Quartieren in der Region auszugleichen, um die Bestände zu stabilisieren und um den Kontakt von Teilpopulationen zu erleichtern. Durch die Kontrolle dieser Ersatzquartiere und durch die nächtliche Rufaufzeichnung mit Detektoren ist ein Monitoring der heimischen Fledermausarten möglich. Weiters wird ein Nutzungsverzicht der (idealerweise alten Laub-)Bäume mit Fledermaus(ersatz-)quartieren angestrebt – ein Schritt zur Ausweisung von Naturwaldinseln bzw. Trittsteinen. Die Grundeigentümer werden auf Vorkommen geschützter Arten hingewiesen und über mögliche Schutzmaßnahmen informiert.

Im Jahr 2013 wurden im Projektgebiet von "Netzwerk Naturwald" (Download pdf) 100 Ersatzquartiere (Fledermauskästen) in NÖ und 2014 weitere 50 Kästen in der Steiermark angebracht. 2 bis 3 x pro Jahr werden diese 150 Kästen kontrolliert und gewartet.

Zwischenbericht

Einen detaillierten Bericht über das Fledermausprojekt des Wildnisgebietes finden sie in Band 5 der Silva Fera (Fischer 2016).

Bisher konnten in den Ersatzquartieren in NÖ zwei bis drei Arten bestätigt werden, die flexible "Allrounder" sind, eine Vielzahl an Lebensräumen besiedeln können und im Gebiet häufig vorkommen: Zwerg- sowie Bart- und/oder Brandtfledermäuse (die letzteren zwei Arten sind im Feld schwer zu unterscheiden). Bisher wurden in neun von zehn Ersatzquartier-Revieren in NÖ Fledermäuse angetroffen, insgesamt in 15 von 100 Kästen. Was die Vorliebe für bestimmte Quartiermodelle betrifft, so ist das selbstgebaute, flache Fledermausbrett aus Lärchenholz bisher der eindeutige "Testsieger".

In den Jahren 2013 und 2014 wurden in insgesamt 49 Stunden 938 Fledermaus-Rufsequenzen mit einer automatischen Rufaufzeichnungseinheit (Batlogger M) aufgenommen. Außergewöhnlich hoch war die Rufaktivität der Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) – was darauf hindeutet, dass dies die häufigste Art im Untersuchungsgebiet ist. Ebenfalls häufig waren die Rufe der Mausohrfledermäuse (bis zu neun Arten im Untersuchungsgebiet). Aufgrund ihrer Ähnlichkeit sind diese schwierig aufzuschlüsseln, aber folgende Arten wurden mit großer Wahrscheinlichkeit registriert: Fransenfledermaus (Myotis nattereri), Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), die Zwillingsarten Bart-/Brandtfledermaus (Myotis mystacinus/M. brandtii). Die Bechsteinfledermaus (M. bechsteinii), eine Waldfledermaus, die Buchen- und Eichenwälder mit vielen alten Bäumen bevorzugt, konnte erfreulicherweise durch die Masterarbeit von Teresa Knoll (siehe Silva Fera 5, 2016) im Wildnisgebiet nachgewiesen werden. Erfreulich und bemerkenswert ist die Rufaktivität weiterer FFH-relevanter Arten im Untersuchungsgebiet: die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) und die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) konnten an mehreren Transekten nachgewiesen werden.

Nähere Informationen zum Artenschutzprojekt Fledermäuse bekommen Sie auch bei der Projektleiterin Dr. Sabine Fischer vom Wildnisgebiet Dürrenstein (sabine.fischer(ät)wildnisgebiet.at ).

Das Land Niederösterreich unterstützt das Fledermausprojekt. Naturschutzlandesrat Stephan Pernkopf freut sich über die Tatsache, dass dieses Artenschutzprojekt von den Bundesländern Niederösterreich, Steiermark und Oberösterreich gemeinsam durchgeführt wird und sieht es als wichtigen Schritt zur Sicherung der heimischen Fledermausarten.

Naturschutzlandesrat Dr. Stephan Pernkopf unterstützt das Fledermausprojekt (mit Projektleiterin Dr. Sabine Fischer)
Abbildung: Naturschutzlandesrat Dr. Stephan Pernkopf unterstützt das Fledermausprojekt (mit Projektleiterin Dr. Sabine Fischer)

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