Pufferzonenmodell Wildnisgebiet Dürrenstein

Die klimatischen Veränderungen im Bereich des Alpenbogens und die damit einhergehende Erwärmung sowie die zu befürchtende Zunahme allfälliger Sturmereignisse, wie beispielsweise im Jänner 2007 der Sturm „Kyrill“, lassen für die Zukunft auch im Wildnisgebiet Dürrenstein großflächigere Ereignisse nicht ausschließen. Windwürfe, die als Teil natürlicher Prozesse anzusehen sind und daher den Zielen des Wildnisgebietes nicht widersprechen, könnten durch die Folgen derselben, wie Borkenkäferbefall, zu einer Gefährdung angrenzender Wirtschaftswälder im Gebiet der Forstverwaltungen führen. Durch Ausweisung basierend auf den naturräumlichen Gegebenheiten und der Lebensraumkartierung im Rahmen des LIFE-Projektes Wildnisgebiet Dürrenstein wurde unter Einbindung der verantwortlichen Behörden (Naturschutzabteilung des Landes NÖ und Bezirkshauptmannschaft Scheibbs) und basierend auf Festlegungen des Wissenschaftlichen Beirates des Wildnisgebietes Dürrenstein, Univ. Prof. Dr. Axel Schopf, Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz, BOKU folgende Übereinkunft getroffen.

Die gegenständliche Forstverwaltung und die Schutzgebietsverwaltung Wildnisgebiet Dürrenstein richten angrenzend an das bestehende Wildnisgebiet Dürrenstein auf Wirtschaftsflächen der Forstverwaltung Pufferzonen ein. Die Auswahl der Zonen erfolgt ausschließlich unter Einbeziehung fachlich relevanter Aspekte. Die Festlegung für die maximal 300 m breite Zone orientiert sich daher insbesondere am Fichtenanteil in der Pufferzone, am Fichtenanteil in den an die Pufferzone grenzenden Beständen des Wildnisgebietes und am Bestandesalter. Um eine fachlich sinnvolle Abgrenzung gewährleisten zu können, kann die Zonenbreite um bis zu maximal 250 – 300 m überschritten werden (z. B.: Die Pufferzonengrenze würde bei 300 m Breite durch ein Waldstück mit einheitlichem Bestandesaufbau verlaufen). In diesem Fall wird die Bestandesgrenze bzw. der Bestand bis zu einem max. Abstand von 550 – 600 m zur WG-Grenze als Pufferzonengrenze herangezogen.

In dieser Zone werden forsthygienische Maßnahmen in einem Umfang gesetzt, der ein großflächiges Übergreifen des Borkenkäfers, im Speziellen des Buchdruckers (Ips typographus), auf Wirtschaftswälder außerhalb des Wildnisgebietes und der Pufferzone verhindern sollen.

  • Die Pufferzone wird durch das Personal der Forstverwaltung in Erfüllung ihres forstgesetzlichen Auftrages während der Vegetationsperiode regelmäßig auf Borkenkäferbefall hin untersucht. Sollten auch der Schutzgebietsverwaltung Schäden durch Borkenkäfer in der Pufferzone bekannt werden, so sind diese ebenfalls umgehend der Forstverwaltung zu melden, die dann für deren Beseitigung zu sorgen hat.
  • Für den Ausflug der Jungkäfer aus den bereits im Herbst befallenen Bäumen im Frühjahr können in Absprache mit der Schutzgebietsverwaltung von der Forstverwaltung je nach Gegebenheiten der angrenzenden Bestände sogenannte Fanggruppen von stehenden Fichten (3 – 5 Bäume je Standort) durch Ringelung im Herbst und zeitgerechter Anbringung von Pheromondispensern im Frühjahr in der Pufferzone eingerichtet werden, die zum Abfangen der ausfliegenden Käfer dienen. Damit wird vermieden, dass durch hohe Schneelage ein zu spätes Auflegen der Fangbäume erfolgt bzw. Fangbäume vom Schnee zum Zeitpunkt des Käferfluges im Frühjahr überdeckt sind. Bei einem Befall der stehenden Fangbäume müssen entsprechend den forstgesetzlichen Bestimmungen Fangbäume nachgelegt werden. Die Zahl der Fangbäume ist der Schutzgebietsverwaltung bekannt zu geben.
  • Zudem werden in Absprache mit der Schutzgebietsverwaltung von der Forstverwaltung im Frühjahr und abhängig von der Befallsintensität der stehenden Fangbäumen an neuralgischen Punkten (z. B. massiver Befall im Wildnisgebiet im vorangegangenen Jahr) zur Kontrolle der Borkenkäferentwicklung und zum Abfangen der Käfer Fangbäume mit Pheromondispensern in der Pufferzone vorgelegt. Die Zahl der Fangbäume wird gemeinsam festgelegt.
  • Nach Befallsbeginn der Fangbäume, unabhängig ob stehend oder liegend, müssen die Pheromondispenser umgehend von der Forstverwaltung entfernt werden.
  • Befallene Fangbäume, unabhängig davon ob stehend oder liegend, müssen entsprechend den forstgesetzlichen Bestimmungen vom Grundeigentümer bzw. Bewirtschafter aus der Pufferzone entfernt werden.
  • Das jeweils aktuelle Schadbild des Wildnisgebietes wird im Herbst jedes Jahres durch das Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz (BOKU Wien) oder einer vergleichbaren Institution, die das Vertrauen beider Vertragsparteien genießt, erhoben und kartographisch dargestellt, um die Käferentwicklung im Wildnisgebiet entsprechend zu dokumentieren.
  • Zur Kontrolle der Borkenkäferentwicklung und als Basis für die Berechnung des Borkenkäferindex‘ müssen von der Forstverwaltung an durch die Vertragsparteien gemeinsam festzulegenden Orten Pheromonfallen platziert werden.
  • Beide Vertragsparteien haben das Recht, externe Gutachter als Berater beizuziehen.
  • Durch die Einrichtung dieser Pufferzone kommen die Vertragspartien darüber ein, dass alle forsthygienischen Eingriffe im Wildnisgebiet zu unterbleiben haben.

Finanzielle Regelungen:

Die Forstverwaltung wird für den Mehraufwand der Arbeiten und für den Minderertrag entschädigt. Die Bewertung dieser Entschädigung erfolgt auf Basis des nachfolgend dargestellten Borkenkäferindex‘. Um die Kosten für die Wildnisgebietsverwaltung nicht unkalkulierbar zu machen, wurde eine Aufrollung vereinbart.

  • Die jährlichen Kosten bleiben gleich und damit im Budget für die Wildnisgebietsverwaltung immer kalkulierbar.
  • Die jährlich zu leistende Zahlung wurde so vereinbart, dass diese im Rahmen des Budgets der Wildnisgebietsverwaltung vertretbar sind und andere wichtige Aufgaben trotzdem erfüllt werden können.
  • Die Forstverwaltung bekommt auf jeden Fall den einvernehmlich festgelegten und ihr zustehenden Gesamtbetrag, nur über Jahre verteilt.
  • Die Forstverwaltung kann für einen bestimmten Zeitraum mit fixen Einnahmen rechnen.

Der Borkenkäferindex

Wesentlichster Punkt ist dabei der Vergleich des durch den Borkenkäfer, insbesondere den Buchdrucker, ausgelösten Schadholzanfalls zwischen der Pufferzone und dem Buchdrucker-relevanten Fichtenanteil des Wirtschaftswaldes (Restrevier) je Hektar. Als Vergleich zur Pufferzone wird dabei der Borkenkäferschadholzanfall jener Waldflächen der Restfläche des Forstrevieres ab einem Fichtenanteil von 3/10 herangezogen. Dieses Verhältnis wird in fm je ha angegeben.

Die Faktoren Kontrollfänge und Klima können unter bestimmten Voraussetzungen bei der Bewertung als Korrektiv herangezogen werden und sie können in weiterer Folge in diese einfließen. Die Beweislast, die zum Einsatz dieser Korrektive führt, liegt bei der Wildnisgebietsverwaltung.

Abbildung 1: Verhältnis Schadholzanfall Pufferzone zu Fichtenwirtschaftswald als Basis zur Berechnung der Entschädigungshöhe

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