Kleinschmetterlinge

Die Vielfalt der Kleinschmetterlinge

Phyllonorycter alpina ©Peter Buchner
Phyllonorycter alpina ©Peter Buchner

Das Wildnisgebiet Dürrenstein bietet vielen Organismen einen – gerade in Niederösterreich – einzigartigen Lebensraum. Über manche Taxa, insbesondere die kleinen, manchmal schwer bestimmbaren und auf den ersten Blick wenig spektakulären, wissen wir wenig. Deshalb ist die Inventarisierung des Artenspektrums als Voraussetzung für gezielten Artenschutz, für Bewusstseinsarbeit und die Inwertsetzung unseres Naturerbes von zentraler Bedeutung!

Herr DI Mag. Dr. Wolfgang Stark beginnt 2016 mit der Erhebung bisher kaum untersuchter Schmetterlingsfamilien im Wildnisgebiet Dürrenstein: den Kleinschmetterlingen (Microlepidoptera). Für Österreich sind ca. 2.500 Arten bekannt, in Niederösterreich etwa 2.200 Arten! Im Wildnisgebiet Dürrenstein könnten für Niederösterreich neue Arten zu entdecken sein – vielleicht auch unbeschriebene und/oder endemische. Einige Arten haben im Wildnisgebiet ihre östlichsten Vorkommen oder sind sogar auf die Ostalpen beschränkt.

Ein kurzer Steckbrief

Die Einteilung in Klein- (Micro-) und Großschmetterlinge (Macrolepidoptera) wurde anhand der durchschnittlichen Größe der Tiere eingeführt, spiegelt die Wirklichkeit aber nur teilweise wider, denn die größten "Kleinschmetterlinge" haben eine Flügelspannweite von mehr als 7cm – allerdings gibt es auch Exemplare mit ca. 4mm Flügelspannweite.

Die englische Bezeichnung für Nachtfalter ist "Moths", also Motten. Vielleicht denken Sie jetzt an Kleidermotten in Ihrem Kasten, oder an die Dörrobstmotte in der Küche. Tatsächlich bevölkert diese Tiergruppe praktisch jeden Lebensraum. Die meisten Arten benötigen jedoch komplexe, verzahnte, Lebensräume (Wald, Schutt, Trockenrasen, Moor, etc), bestimmte Höhenlagen, Feuchtigkeit und Pflanzenvorkommen. Im weitgehend unberührten Wildnisgebiet Dürrenstein fliegen die "Micros" in der Nacht, in der Morgen- oder Abenddämmerung, viele können aber auch untertags oder gar im Sonnenschein fliegen.

Wer genau hinsieht, ist fasziniert von der Vielfalt der Arten: von unscheinbar schwarzen oder braunen "Schuppenkleidern" hin zu glänzenden Gold- und Silberstreifen oder roten und gelben Färbungen. Besonderheiten werden meist erst unter der Lupe sichtbar: riesige Facettenaugen oder lange gebogene Palpen wie bei Fabeltieren!

Die Lebensspanne eines Schmetterlings ist kurz. Aus den Eiern schlüpfen die meist sehr verborgen – in Blättern, unter Rinde, in Knospen, im Stamm von Sträuchern und Bäumen – lebenden Raupen. Experten können schon am Äußeren einer Pflanze den Bewohner erkennen, denn die Art, wie die Raupe im Blatt miniert, ist fast immer arttypisch. Die vollständige Metamorphose von der Raupe über die Puppe zum flugfähigen "erwachsenen" Schmetterling ist eines der großen Wunder der Natur.

Microlepidoptera und Klimawandel

Insekten können auf Veränderungen des Klimas nicht aktiv oder strategisch z.B. durch Veränderung von Verhaltensweisen reagieren. Die auftretenden "Phänomene" sind daher meist direkt mit den sich ändernden Umweltbedingungen gekoppelt:

  • Veränderung der periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen (Phänologie)
  • Veränderte Generationenfolge (mehrere Generationen; ein- statt zweijährige Entwicklung, etc.)
  • Veränderungen in der vertikalen Verbreitung
  • Verschwinden von Populationen

Diese Phänomene machen Insekten zu Zeigern für den Klimawandel: "Der Ausbreitungsdynamik von Insekten im Zusammenhang mit der Klimaänderung ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen" (Kromp-Kolb et al. 2003).

Neben Phänologie und Generationenfolge kann die Höhengradation im Wildnisgebiet gut beobachtet und dokumentiert werden.

Besondere Arten im Wildnisgebiet

Beispiele von schützenswerten Arten zweier Familien (Sesiidae; Coleophoridae), die im Wildnisgebiet vorkommen könnten:

Chamaesphecia amygdaloidis: Diese Sesiidae (Glasflügler) kommt nur in der Steiermark, Ober- und Niederösterreich vor. Es gibt kaum Beobachtungen. Die Raupe lebt an der Österreichischen Wolfsmilch (Euphorbia austriaca), welche im Wildnisgebiet vorkommt. Der Nachweis wäre sehr wertvoll.

Coleophora virgaureae: Diese Art wurde erst 1993 neu beschrieben und bisher nur für Oberösterreich und Kärnten nachgewiesen. Ein Vorkommen im Wildnisgebiet ist wahrscheinlich, da ein unveröffentlichter Fund vom Ötscher vorliegt.

Coleophora kyffhusana; C. franzi; C. repentis; C. niveistrigella: Gleich mehrere für Niederösterreich nicht nachgewiesene Arten leben auf Kriechendem Gipskraut (Gypsophila repens), welches im Wildnisgebiet vorkommt. Neue Arten für NÖ (und evtl. für Österreich) könnten nachgewiesen werden.

Alle Fotos © Peter Buchner

Mit Unterstützung von Bund, Land und Europäischer Union

Wildnisgebiet Dürrenstein mit freundlicher Unterstützung von Europäischer Union, Land Niederösterreich, Lebensministerium

 

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