Die Landschnecken im Wildnisgebiet

In einem natürlichen Ökosystem haben Schnecken (Gastropoda) wichtige Funktionen als Zerkleinerer von organischem Material und als Beutetiere im Nahrungsnetz. Bei uns Menschen sind sie wenig beliebt, da manche Arten, wie die Spanische Wegschnecke (sie ist vielerorts schon die häufigste Schneckenart), beträchtliche Fraßschäden im Garten verursachen. Wir sollten aber nicht alle Schnecken "in einen Topf werfen"! Gehäuseschnecken wie Schnirkel- oder Weinbergschnecken richten nur geringe Schäden an und werden zu Unrecht verfolgt – die Weinbergschnecke steht sogar unter Schutz.

Ein Projekt im Wildnisgebiet Dürrenstein nimmt sich nun dieser oft vernachlässigten Organismengruppe an. Zur aktuellen Verbreitung der Landgehäuseschnecken in Österreich bestehen große Wissenslücken. Da Schnecken viele Endemiten hervorgebracht haben – also Arten, die sich durch ein kleines Verbreitungsgebiet auszeichnen – ist es besonders wichtig, diese lokalen Vorkommen zu kennen, da schon kleine Umweltveränderungen zu einer starken Gefährdung führen können; bei Quellschnecken genügt hierzu beispielsweise die Verschmutzung der Quelle.

Landschnecken sind aufgrund ihrer eingeschränkten Vagilität auch gute Indikatoren für den Zustand von Waldlebensräumen, da sie gute Zeigerorganismen für die Ungestörtheit des Waldbodens sind. Die ökologisch sensiblen Arten können nach bisherigen Erfahrungen sekundäre Biotope nur schwer besiedeln und sterben bei Verschlechterung der Lebensbedingungen aus.

Einen ersten Einblick in die Molluskenfauna des Wildnisgebietes gab die Beprobung von Quellen im Rahmen der Bach- und Quellwochen 2013 und 2014 (in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Gesäuse). Neben den Quellschnecken dokumentieren die Zufallsfunde mehrerer wertgebender Landschneckenarten die Bedeutung des Untersuchungsgebiets für Mollusken. So konnten im Probenmaterial die gefährdete Gestreifte Windelschnecke (Vertigo substriata; RL Österreich "VU") und die Spindel-Schließmundschnecke (Fusulus interruptus; RL Österreich "NT") ermittelt werden.

Spülsaum Hundsaubach, Wildnisgebiet Dürrenstein
Spülsaum Hundsaubach, Wildnisgebiet Dürrenstein

 

Um das zu erwartende Artenspektrum von bis zu 100 Arten zu erfassen, wurde im Sommer 2015 mit der gezielten händischen Aufsammlung von Leergehäusen begonnen. Um Arten mit unterschiedlichen Lebensraumansprüchen und Nischen erfassen zu können, dient die Kartierung der FFH-Lebensraumtypen von 2001 als wichtige Planungsgrundlage für die Festlegung der Probestellen. Die damals noch nicht erfassten Lebensräume im Erweiterungsgebiet werden natürlich mit einbezogen. Bei der händischen Aufsammlung wird an besonderen Strukturen, die ein Vorkommen von Gastropoden vermuten lassen (Totholz, Rindenstücke, Moospolster, Steine, Felsspalten, feuchte Senken), nach Landschnecken gesucht. Auch die organische Bodenauflage (Laubstreu, Baummulm etc.) wird untersucht. Weiters ist das Auslesen von "Genisten" (durch Bäche und Flüsse zusammengeschwemmtes Schalenmaterial) eine geeignete Methode zur qualitativen Erfassung der Landschneckenfauna im Wildnisgebiet. Aus den vorgefundenen Leergehäusen wird eine Belegsammlung für Vergleichszwecke aufgebaut.

Bisher wurden >50 Landschneckenarten identifiziert, Leergehäuse von 35 Arten konnten bereits in die Belegsammlung aufgenommen werden. Potentiell könnten noch etwa doppelt so viele Arten im Wildnisgebiet zu entdecken sein!

Eine Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft "Alpine Land Snails" des Naturhistorischen Museums Wien ermöglicht eine sichere Bestimmung der Arten und gemeinsame Aufsammlungen im Freiland. Für 2016 sind Exkursionen am Dürrenstein geplant, um Arten offener Felsflächen und alpiner Wiesen zu finden.

Sabine Fischer (re.) mit Experten der AG Land Snails NHMW
Sabine Fischer (re.) mit Experten der AG Land Snails NHMW

Das Schneckenprojekt soll auch mögliche Bestände von Molluskenarten des Anhangs II der FFH-Richtlinie prüfen: Die multihabitate Art Vertigo angustior (Schmale Windelschnecke) sowie die Flachmoorbewohner V. genesii (Blanke Windelschnecke) und V. geyeri (Vierzähnige Windelschnecke) könnten im Wildnisgebiet vorkommen.

Nähere Informationen zum Molluskenprojekt bekommen Sie bei der Projektleiterin Dr. Sabine Fischer vom Wildnisgebiet Dürrenstein → weiter zum Kontaktformular

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