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Lichtfang im Wildnisgebiet PDF Print E-mail
Tuesday, 30 August 2011 07:58
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Ein unvergleichliches Erlebnis mit wichtigen Ergebnissen

22 Uhr, noch immer zeigt das Thermometer gut 20° Celsius an. Wir haben unseren Leuchtturm in der Hundsau aufgestellt, mitten in einem vom Borkenkäfer stark heimgesuchten, absterbenden Fichtenwald, Seehöhe 850 m. Gespenstisch heben sich die schütteren Fichtenzweige gegen den immer stärker abdunkelnden Nachthimmel ab, das Knirschen der Käferlarven unter der lockeren Fichtenrinde wird begleitet vom Gezirpe der Zikaden, vom Surren der Gelsen und vom nahen Rufen des Waldkauzes. Trotz alledem herrscht Stille, ein wohltuender Kontrast zur Hektik des beruflichen Alltags, schweigend genießen wir diese Ruhe der nächtlichen Wildnis.

Die Szene wird dominiert von dem blauen Lichtschein unseres Leuchtturms. Er soll in den nächsten Stunden nacht- und dämmerungsaktive Insekten anlocken, die sich auf der feinen Netzstruktur niederlassen. Eine Untersuchungsmethode, die üblicherweise als Lichtfang bezeichnet wird, ein Begriff der mitunter zu Vorurteilen führen kann. Die angelockten Insekten werden im Gegensatz zur Lichtfalle nicht getötet, sondern lassen sich beobachten, fotografieren und nur im absoluten Zweifelsfall ist es erforderlich, die eine oder andere Art zum Zwecke der wissenschaftlichen Determination durch Fachexperten händisch einzusammeln. Eine selektive Untersuchungsmethode also, ganz im Sinne der strengen Auflagen für wissenschaftliche Untersuchungen im Wildnisgebiet.

Eine gerade mal 12 Volt starke Lichtquelle lockt unzählige Insektenarten an – Mücken, Fliegen, Schmetterlinge, Köcherfliegen, Hautflügler, Netzflügler und natürlich Käfer – ein wunderbar aktives, schwirrendes Erlebnis – Biodiversität – Artenvielfalt im wahrsten Sinne des Wortes. Die faunistischen Erkenntnisse aus dieser Tätigkeit liefern Aufschluss über die vorkommenden Insektenarten, ihre punktuelle Verbreitung, über Biodiversität ebenso wie über kleinklimatische und vegetationsökologische Veränderungen. Wissenschaftliche Daten, die die Entwicklung dieses Lebensraumes dokumentieren, erläutern, beschreiben und künftigen Untersuchungen als Basis dienen, um waldökologische Entwicklungsprozesse besser zu verstehen und somit auch besser erklären zu können. – Zwei Käferarten, die ich gerne als Charakterarten für die Hundsau bezeichnen möchte, sind der Zahnplattkäfer Prostomis mandibularis (Fabricius, 1801) oder der kürzlich gelungene Nachweis des Zottenbocks Tragosoma depsarium (Linnaeus, 1767). Beide Käferarten gelten als seltene Urwaldrelikte, die große Ansammlungen von Totholz für ihre Entwicklung benötigen, und konnten bisher nur durch Lichtfang im Wildnisgebiet gesichert nachgewiesen werden. Aber nicht nur seltene Käferarten, sondern eine Vielzahl von Nachtfaltern fliegen sprichwörtlich wie die „Motten zum Licht“. Auch bei dieser Insektengruppe hier konnten bereits für das Gebiet neue Arten nachgewiesen werden.

Lichtfang ist also für die faunistische Erforschung einer Region eine unverzichtbare Methode, die während der Sommermonate sensibel und selektiv zum Einsatz kommt. Sie eignet sich hervorragend um ökologische Prozesse zu dokumentieren, aber auch um Biodiversität didaktisch erlebbar zu machen.



 
Friday, 18 May 2012
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