Umwelt-Messstation, Schutz des Nachthimmels, Energieeinsparung
Am 1. November 2010 wurde im Wildnisgebiet Dürrenstein von der IDA Austria (International Darksky Association) eine mit Solarstrom versorgte Messstation zur kontinuierlichen Überwachung der Nachthimmelshelligkeit in Betrieb genommen. Das Wildnisgebiet ist eine der am wenigsten mit Lichtsmog belasteten Regionen Österreichs. Langfristig wird damit die Errichtung eines UNESCO Lichtschutzgebiets angestrebt.
Die Welt ist seit Erfindung des elektrischen Lichts immer heller geworden – doch das hat leider nicht nur Vorteile zur Folge. Ausgehend von den Städten, Ortschaften, Gebäuden und Straßen bis hin zu den Bergbahnen im Gebirge, erobern nächtliche Lichtkonzentrationen zunehmend die Landschaft. Seit der Mensch die Nacht zum Tag macht, haben sich die Lebensbedingungen vieler Tiere dramatisch verändert. Milliarden von Insekten und Vögeln verenden jährlich infolge von Desorientierung durch übermäßiges Kunstlicht. Auch ein anderer Teil der Natur verschwindet zusehends: Die Pracht des Sternenhimmels ist nur mehr in entlegenen Gebieten zu bewundern und die Milchstraße ist ein Naturphänomen, das vielen Menschen kaum mehr bekannt ist. Darüber hinaus beeinflusst die erhellte Nacht zunehmend den natürlichen Tag- Nacht-Rhythmus des Menschen. Umweltassoziierte Gesundheitsstörungen wie Schlafstörungen, Energielosigkeit und andere, zum Teil schwer wiegende Folgeerkrankungen können die Auswirkungen von Lichtimmissionen auf den Lebensbereich des Menschen sein.
Nicht zuletzt bedeutet Licht, dass durch ungünstige Beleuchtungskörper in Richtung Himmel statt zum Boden gestrahlt wird, eine drastische Verschwendung von Energie und bewirkt damit auch einen bedeutenden Anteil von unnötig in die Atmosphäre entlassenen Treibhausgasen.
Der Schutz des Nachthimmels
Damit langfristig wirksame legislative Maßnahmen gegen eine weitere Zunahme der Lichtverschmutzung eingeleitet werden können, ist eine kontinuierliche Überwachung der Nachthimmelshelligkeit erforderlich. Dass es ohne Gesetze nicht geht, zeigen zahlreiche Erfahrungen der International Darksky Association (IDA), nicht zuletzt deshalb, weil die „Licht-Sünder“ sonst nur schwer direkt adressierbar sind.
Bisherige Messungen haben ergeben, dass die nach oben abgestrahlte Gesamthelligkeit der österreichischen Bundeshauptstadt nur zu rund zehn Prozent von der öffentlichen Beleuchtung verursacht wird. Das heißt, 90 Prozent der von Niederösterreich aus so deutlich sichtbaren Wiener „Lichtglocke“ stammen von Quellen wie Werbetafeln, Gebäudebeleuchtungen, strahlend hellen Geschäftsauslagen oder beleuchteten Parkplätzen.
Satellitenmessungen zeigen das wahre Ausmaß
Seit Beginn der 1990er-Jahre wird die künstliche Beleuchtung auch vom All aus gemessen. Hier sind die Ergebnisse ebenso eindeutig wie erschreckend: Europa wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit einer Lichtflut eingedeckt, die kaum noch Plätze frei lässt, an denen Tiere gänzlich ungestört von Kunstlicht leben können und international konkurrenzfähige astronomische Beobachtungen möglich sind. Global betrachtet nimmt die Lichtverschmutzung und damit auch die damit verbundene Energieverschwendung jedes Jahr dramatisch zu.
Eine skalierbare Satellitenkarte der weltweiten Lichtverschmutzung im Jahr 2009 findet sich unter dieser Adresse: http://light.datenscheibe.org
Weltweites Netzwerk von Licht-Messgeräten
Um eine kontinuierliche Überwachung der Nachthimmelshelligkeit zu ermöglichen, wird derzeit ein globales Netzwerk mit Licht-Messgeräten bestückt, deren Daten auf einem zentralen Server gesammelt und ausgewertet werden. Solche „Lightmeter“ sind bereits an mehr als 150 ausgewählten Plätzen rund um den Globus in Betrieb und überwachen die Lichtverschmutzung mit deutlich höherer Präzision als es von Satelliten aus möglich ist.
Im Sommer 2010 hat die UNESCO den Sternenhimmel und das damit verbundene kulturelle Erbe zum Welterbe erklärt, wodurch es möglich geworden ist, offizielle Lichtschutzgebiete zu errichten. Die das Lichtmessgerät im Wildnisgebiet finanzierenden Astronomen der IDA (Verein Kuffner Sternwarte) sind nach ersten Beobachtungen sehr zuversichtlich, dass die Bedingungen rund um den Dürrenstein dafür geeignet sind. Eine erste Auswertung der Messdaten wird Anfang 2011 erfolgen.