Erfolgversprechende erste Ergebnisse
Nachfolgend möchten wir Ihnen einen kurzen Zwischenbericht von der aktuellen Situation der Habichtskäuze aus und rund um das Wildnisgebiet Dürrenstein geben.
Etliche der Habichtskäuze des Wildnisgebietes zweigten große Wanderfreude. Manche Habichtskäuze des Wildnisgebietes wanderten von den Ebenen der oberösterreichischen Traunauen bis in den schroff-felsigen Nationalpark Gesäuse und legten dabei nachweislich mehr als 100 km zurück.
Aus der Generation 2010 hatten von 12 Vögeln 5 einen 50 km Radius um das Freilassungsgebiet verlassen (Andrea, Konrad, Gerlinde, Annemarie und Simone), in dem laut einer skandinavischen Studie 85% der Vögel im ersten Jahr verweilen sollten (Entfernung der übrigen 7 Käuze: Luftlinie - hier ohne Berücksichtigung der längeren Wanderroute innerhalb der 50 km: Thomas2 45km, Willi 42 km, Franz 32 km, Eva 5 km, Mario 5 km, Ingrid 7 km, Johannes 1 km).
Seit Oktober 2010 wurde im Revier von Männchen „Franz“ aus dem Zoologischen Garten Hirschstetten aus dem Jahr 2010 ein Weibchen nachgewiesen (mit hoher Wahrscheinlichkeit das Weibchen „Salvatore“ aus dem Alpenzoo Innsbruck aus dem Jahr 2009, das in diesem Bereich Ende 2009 den Sender verloren hat und 2010 mehrmals gesehen wurde). Auch im Februar und März 2011 konnte das Weibchen einige Male durch Rufortung im Revier von Männchen „Franz“ festgestellt werden, sowie im Dezember 2010 zweimal durch Sichtbeobachtung. Von Anfang Februar bis Mitte März konnte an 6 Tagen die Balz zwischen Weibchen „Salvatore“ und Männchen „Franz“ verhört werden.
Das Männchen „Franz“ verließ sein "Revierzentrum" (Größe ca. 4 km²) angrenzend an die geplante Erweiterungsflächen des Wildnisgebietes jedoch zum Ende März zweiten Mal. Beim ersten Mal hatte er es für Dezember und Jänner verlassen. In dieser Zeit hielt er sich Luftlinie 30 km entfernt im und um den Nationalpark Gesäuse auf, von wo er Ende Jänner wieder langsam „nach Hause“ wanderte. Nach den letzten stationären Monaten in seinem Revier, begann er vor wenigen Tagen erneut umherzustreichen. Er entfernte sich Ende März Luftlinie 14 km von seinem "Revierzentrum" und näherte sich nach wenigen Tagen wieder auf ca. 3 km an, wobei er sich vorerst ausschließlich entlang jener Bereiche aufhielt, in denen auch Salvatore 2009 telemetriert und 2010 beobachtet werden konnte. Am 9.4.2011 besichtigte Männchen „Franz“ wieder einen Nistkasten, bei dem sich Weibchen „Salvatore“ und er bereits im Oktober 2010 aufgehalten haben. Seit wenigen Tagen befindet er sich wieder in seinem "Revierzentrum". Dass es heuer noch zu keinem Brutversuch kam könnte v. a. zweierlei Ursachen haben. Einerseits ist insbesondere der männliche Vogel noch sehr jung und andererseits scheint es im heurigen Frühjahr nur sehr wenige Mäuse zu geben, so dass eine ausreichende Futterversorgung des Weibchens und in weiterer Folge der Nachkommenschaft nicht gegeben gewesen wäre.
Vermutlich Weibchen „Strixi“ (Alpenzoo Innsbruck, Generation 2009) konnte mindestens viermal zwischen Anfang Februar und Mitte März 2011 ca. 2,7 km von dem Ort ihres Sendervermauserns Ende Juni 2010 beobachtet werden.

Die zwei Weibchen „Konrad“ aus dem Tiergarten Hellbrunn und „Annemarie“ aus Italien hielten sich seit Anfang und Mitte Oktober 2010 nach Wanderrouten von über 100 km 6 Monate bis März 2011 neben einander in ihren Winterrevieren in den oberösterreichischen Traunauen auf, wo sie zeitlich mit ca. 3 Wochen Abstand getrennt voneinander hin gewandert sind. Im März 2011 begannen auch sie, wieder zu wandern. Jedoch kehrte Konrad vor wenigen Tagen in das Areal, in dem er sich während der Wintermonate aufhielt, zurück.
Neben der Wanderung des Männchens „Franz“ ins Gesäuse, waren auch die zwei Männchen „Willi“ (aus Italien) und „Thomas2“ (aus dem Cumberland Wildpark Grünau) vom Wildnisgebiet ins Gesäuse gewandert. „Willi“ hatte in der zweiten Dezemberhälfte im Umkreis des Gesäuses seinen Sender verloren. „Thomas2“, der sich bis zu seiner Wanderung im vermuteten Revier von "Morgentau" aus dem Jahr 2009 aufhielt, war in einer Woche 50 km gewandert und hielt sich danach einige Wochen im Dezember 2010 und Jänner 2011 direkt im Nationalpark Gesäuse auf, wo er auf einer Lärche sitzend in Gipfelnähe seinen Sender verlor. Ob auch dieser Vogel wie "Franz" wieder umkehrte und in die Nähe seines Freilassungsortes zurückkehrte, konnte bisher nicht verifiziert werden. Vor einigen Tagen gab es in ca. 31 km Entfernung (Luftlinie) eine zuverlässige Sichtbeobachtung eines Habichtskauzes in den steirischen Wölzer Tauern.
Männchen „Johannes“ aus der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS Haringsee) aus dem Jahr 2010 wurde nach 10 Tagen in Freiheit im August 2010 wieder eingefangen, da er infolge eines Traumas sein gesamtes Schwanzgefieder vermausert hatte. Er verbrachte den Winter in der Greifvogelstation OAW in Linz, wo er dankenswerterweise versorgt und trainiert wurde, und von wo er Anfang April 2011 in die Freilassungsvoliere im Wildnisgebiet gebracht wurde. Hier wartete er eine gute Woche auf seine Freilassung in die Wildnis, die am 11. 4. erfolgte. Seither hält er sich im Wildnisgebiet auf.
Diese Ergebnisse, die nur auszugsweise einen kleinen Einblick in das Geschehen und unsere Arbeit geben können, zeigen die große Bedeutung der radiotelemetrischen Überwachung der Tiere, da nur so Aussagen über die Wanderungen und den Verbleib und das Überleben während der ersten kritischen Phase der einzelnen Vögel getroffen werden können und damit auch der Erfolg die Projektes nachvollziehbar bleibt.
Auch aus dem Wiener Wald gab es zahlreiche positive Nachrichten, die auch für dieses Freilassungsgebiet berechtigte Hoffnungen auf Bruten in den kommenden Jahren wecken. Wir gratulieren dazu dem Team vor Ort!

|