Der Klimawandel scheint auch an der Entwicklung der Borkenkäfer nicht spurlos vorüber zu gehen. Einzelne Arten siedeln sich in immer höheren Lagen an, wo sie vor wenigen Jahren noch nicht überleben konnten. Daher sind auch im alpinen Wildnisgebiet Dürrenstein der Borkenkäfer und seine Entwicklung von Bedeutung, auch wenn nur ca. 5 % des gesamten Gebietes aus Fichtenmonokulturen besteht.
Besonders der Buchdrucker (Ips typographus) spielt eine wichtige Rolle in der Walddynamik des Wildnisgebietes. Aber im Gegensatz zur ökonomisch orientierten Forstwirtschaft werden die Borkenkäfer des Wildnisgebietes primär nicht als Feindbild gesehen, sondern als wichtige Partner. So widersinnig diese Aussage auch scheinen mag, so real ist sie im Wildnisgebiet. Der Borkenkäfer trägt maßgeblich zur beschleunigten Umwandlung der sekundären Fichtenbestände bei. Borkenkäfer sind Bestandteil natürliche Ökosysteme und besitzen für diese daher auch große Bedeutung:
Im Beitrag zum Nährstoffumsatz:
Borkenkäfer bereiten das Holz und v. a. die Rinde für den Abbau durch Pilze und andere Mikroorganismen vor.
In der Schaffung neuer Lebensräume:
Man findet in den Fraß- und Brutgängen der Borkenkäfer eine Vielzahl von Lebewesen, die hier ihre Nahrung suchen, sich verstecken, überwintern oder zur Vermehrung schreiten. Das entstehende Totholz bildet die Lebensgrundlage für zahlreiche Tiere, aber auch Pflanzen, die in unseren Wirtschaftswäldern nur mehr wenig Platz finden.
Als Nahrungsgrundlage für andere Tiere:
Die Käfer und Larven sind Teil der Nahrungsnetze des Wildnisgebietes. Die Palette ihrer Jäger reicht von kleinen Insekten bis hin zum Schwarzspecht.
In der Selektion und im Beitrag zur Bestandesumwandlung:
In naturnahen Wäldern werden in der Regel v. a. geschwächte und kränkelnde Bäume befallen. Dadurch können die gesunden Bäume begünstigt werden. Abgestorbene Bäume lassen Licht zum Waldboden vordringen und fördern damit die Regeneration und Verjüngung des Bestandes.
Diese veränderten Lebensräume stellen für unsere Schalenwildarten zusätzliche Äsungsfläche und für unsere Greifvögel und Eulen zusätzliche Jagdgebiete dar.
Das Wildnisgebiet wurde basierend auf dem Österreichischen Forstgesetz als Biotopschutzwald ausgewiesen. Diese Ausweisung entbindet die Verwaltung des Wildnisgebietes grundsätzlich von der Bekämpfung der Borkenkäfer. Aber auch im Wildnisgebiet Dürrenstein dürfen sich die Borkenkäfer nicht soweit entwickeln, dass die benachbarten Wirtschaftswälder ernsthaft in ihrem Bestand bedroht sind. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten bzw. es gar nicht so weit kommen zu lassen, wurden mehrfache Kontrollmechanismen eingeführt:
Der wichtigste und neueste diese Mechanismen ist ein gemeinsames Projekt mit dem Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz sowie einer privaten Firma, der Fa. Bogner & Lehner. Während die Fa. Bogner & Lehner mittels GMS-gestützter Datenübertragung Klimadaten direkt aus dem Wildnisgebiet zur Verfügung stellt, werden diese Daten vom genannten Institut weiter verarbeitet und modelliert, so dass genaue Prognosen zur Borkenkäferentwicklung erstellt werden können. Details dazu finden Sie unter: http://ifff-server.boku.ac.at/. Parallel zu diesem Projekt wird seitens des obig genannten Institutes auch jeden Herbst die tatsächliche Zunahme der vom Borkenkäfer befallenen Bäume erfasst.
Gemeinsam mit der zuständigen Forstbehörde werden zweimal jährlich Begehungen zur Kontrolle der Entwicklung durchgeführt.
Seit Kurzem wird gemeinsam mit Experten der Wissenschaft, der Behörden und der Grundeigentümer auch über die Ausweisung einer Pufferzone diskutiert.