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Gefördert durch das Land NÖ Abteilung Naturschutz
Wälder aus längst vergangenen Tagen

Autoren: Christoph Leditznig & Reinhard Pekny
ISBN: 978-3-9502503-4-3

Der vorliegende Bildband ermöglicht Einblicke in einen Lebensraum, der zu den wertvollsten Naturlandschaften Österreichs gehört. Die mit Bedacht ausgewählten Fotos sollen, unterstützt durch informative Texte, den Leser verzaubern und für dieses einzigartige Kleinode begeistern.

Ihr
Christoph Leditznig
(Geschäftsführer)

Wälder aus längst vergangenen Tagen
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Kommentare  

 
0 #1 Christoph Leditznig 2010-11-21 15:34
Kritik zum Buch

"Ch. Leditznig, R. Pekny, Wildnisgebiet Dürrenstein, 2010, Schutzgebietsve rwaltung Wildnisgebiet Dürrenstein, ISBN 978-3-9502503-4-3"

von Franz SZABO, November 2010:

Wer Niederösterreic hs Wälder durchstreift, findet beinahe nur mehr wirtschaftlich genutzte Forste, unberührte Flecken, wo Totholz fallen und liegen bleiben darf, sind leider eine immer größere Seltenheit. Deren Grundbesitzer werden meist noch von den Nachbarn angefeindet, die sich vor Borkenkäferbefa ll fürchten. Der durchschnittlic he Wanderer schwärmt von der Natur und hat meist keine Ahnung, dass er sich durch eine industriell genützte Kulturlandschaf t bewegt, deren Böden und Wasserversorgun g alle paar hundert Meter durch die tiefen Gräben der Holzgewinnungsf ahrzeuge auf Jahrzehnte bleibend geschädigt werden.

Heute darf ich von einem Buch berichten, dessen Inhalt über das Wildnisgebiet Dürrenstein – im Raume südöstlich von Lunz am See und Göstling an der Ybbs gelegen – sich mit genau dem Gegenteil derartiger "Wälder" beschäftigt. Nämlich, im anthropozentris chen Sinn, mit einem "nutzlosen" Waldgebiet. Es verdankt seine ursprüngliche Entstehung der weitsichtigen Persönlichkeit von Albert Rothschild, der, von einsamer Jagd- und Naturliebe motiviert, schon im Jahre 1875 großflächig Wälder, die vom Menschen unberührt waren, vor dem forstlichen Zugriff und der Zerstörung rettete. Genauere Informationen und auch eine Bezugsadresse des Buches findet der interessierte Leser unter: Wildnisgebiet Dürrenstein. Einige der dort angeführten Fakten darf ich hier kurz zusammenfassen: Das einzige Wildnisgebiet Österreichs – im internationalen Schutzgebietssy stem höher eingestuft als Nationalparks – umfasst knapp 25 Quadratkilomete r und soll bis Ende 2015 um weitere 10 Quadratkilomete r vergrößert werden. Der Urwald Rothwald, flächenmäßig der größte Fichten-Tannen-Buchen-Urwald des gesamten Alpenbogens mit einem Ausmaß von knapp 500 Hektar, liegt im Zentrum des Wildnisgebietes . Seit der letzten Eiszeit haben seine Bäume keine Axt und keine Motorsäge gesehen. Auch die Waldbestände des Erweiterungsgeb ietes befinden sich überwiegend in einem naturnahen Zustand und sind mit cirka 200 Jahren bereits in einem sehr ansehnlichen Alter. Rund 85 Prozent des bestehenden Wildnisgebietes wurden als Naturzone deklariert, in der menschliche Einflüsse weitestgehend reduziert sind und natürliche Prozesse frei ablaufen können.

Die Autoren dieses hervorragenden Bild- und Textbandes über eine einzigartige Naturlandschaft sind DI Dr. Christoph Leditznig, der Geschäftsführer des Wildnisgebietes und Reinhard Pekny, einer der erfahrenen Ranger, die – oft staunende und immer begeisterte – Besucher regelmäßig durch die Wildnis führen. Der Band umfasst etwas mehr als 280 Seiten, gefüllt mit einer imponierenden Auswahl schönster, oft großformatiger, Naturfotos von Landschaft, Fauna und Flora, sowie ausführlich erklärenden und beschreibenden Texten, sowohl die Geschichte des Wildnisgebietes , wie auch alle Aspekte eines naturnahen Waldes und seiner "Bewohner" betreffend. Ein zentrales und unerschöpfliche s Motiv bietet das Totholz, welches in derartigen Wäldern stehen und liegen bleiben darf. Nicht nur schenkt es schönsten Pilzen Heimat, die auf Holz wachsen und mit Weiß- oder Braunfäule das Lignin oder die Zellulose abbauen, sondern auch einen unerschöpfliche n Lebensraum für Insekten aller Art und dem Wald – nicht zuletzt – einen beträchtlichen Wasserspeicher. Wer dieses Totholz und das neue auf ihm entstehende Leben, wie einen Rotrandigen Baumschwamm mit kristallklaren Guttationstropf en betrachtet, über die er überschüssiges Wasser aussondert, wird sich vielleicht auch Überlegungen zum ästhetischen Begriff der Schönheit im Verfall machen. Vor allem dann, wenn er ein paar Seiten weiter die Wurzelstrukture n jahrhunderte alter Eiben betrachten darf, die der Vernichtung durch Waldbesitzer entgangen sind. Spechte bevölkern Wälder mit viel insektenreichem Totholz, wunderbare Fotos zeigen unter anderen den Weißrückenspech t und den Grauspecht. Umfassender und oft atemberaubender Perspektive der Berg-, Wald- und Wasserlandschaf ten zu allen Jahreszeiten – wie der des klaren und in manchem Nachmittagslich t golden funkelnden Hundsaubaches – stehen Makrofotos hoher Qualität von Insekten, Blüten und Schmetterlingen oder Moosen, Farnen und Blättern, gegenüber. (Naturfotografe n, die für statische Motive auf besonders große Schärfentiefe Wert legen, würde ich die Software Helicon Focus empfehlen, die mehrere Fotos mit unterschiedlich en Schärfeebenen zu einem mit durchgehender Schärfe verrechnet.) Einige Kapitel des Bandes widmen sich der Erscheinung der Wildnis in den unterschiedlich en Jahreszeiten, große Teile werden im Winter durch enorme Schneemengen schnell unzugänglich, bevor urgewaltige Lawinenabgänge ihren Vernichtungszug talwärts bahnen. Man betrachte die Schneise auf Seite 156! Andere Kapitel erzählen von der Geologie des Wildnisgebietes und seinem ganz speziellen Klima. Hier erfährt der Leser Vieles über die unterschiedlich en Kalke, welche das Aussehen von Flanken und Abhängen des Dürrensteins prägen, wie der prägnanten Karrenbildung des Dachsteinkalks bei der Verwitterung. Unter den über vierzig Säugetierarten im Wildnisgebiet findet der aufmerksame Beobachter auch seltene Gäste: Dazu gehören Mäuse, wie Schneemaus und Alpenspitzmaus, das Braune Langohr, eine Art der Fledermaus, sowie, leider viel zu selten, Luchs und Braunbär. Die Flora des Wildnisgebietes ist glücklicherweis e von gebietsfremden Zuwanderern, wie dem sich rasant vermehrenden Drüsigen Springkraut, nicht wirklich bedroht, eine Besonderheit bedeutet hingegen die weiße Schmuckblume, die im Frühjahr im Westteil des Schutzgebietes reichlich blüht. Ebenso der Pannonische Enzian, ein typischer Ostalpenkalkend emit. Frauenschuh, diverse Knabenkräuter und auch Ragwurzen erfreuen die Liebhaber heimischer Orchideen.

Fazit: Wer die fachkundigen und dennoch bestens lesbaren Texte dieses Bandes aufmerksam verfolgt und die Fotos hoher und höchster Qualität betrachtet, hat nicht nur eine einzigartige Naturlandschaft Niederösterreic hs kennen gelernt, sondern wird alle zukünftigen Wälder auf seinen Spaziergängen und Wanderungen mit gänzlich anderen Augen und Verständnis betrachten. Er wird erfahren, welch unglaublich hohen Wert "Nutzlosigkeit" bedeuten kann!
 

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Freitag, 18. Mai 2012
© 2012 Wildnisgebiet Dürrenstein
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