Archiv der Kategorie: News aus dem Wildnisgebiet

Realisierung des „Haus der Wildnis“

Seite Anfang Jänner laufen die intensiven Gespräche mit einzelnen Unterstützern des Hauses der Wildnis. So fand beispielsweise am 8. Jänner 2018 ein Gespräch betreffend Holzkonstruktion des Gebäudes in St. Pölten statt. Unter Beisein von Architekt Christoph Maurer, der Hochbauabteilung des Landes (Dipl. Ing. Josef Bichler undDipl. Ing. (FH) Thomas Luger), der Gemeinde Lunz am See (Bgm. Martin Ploderer) und der Wildnisgebietsverwaltung (Dr. Christoph Leditznig) trafen sich Vertreter unterschiedlichster Firmen zum Thema Holz. Es kam dabei zu einer Abstimmung zwischen der Firma Frischeis GmbH, vertreten durch GF Mag. Alexander Flatischler und Produktmanager Josef Markl sowie der beiden regionalen Holzbaufirmen Heigl und Strigl. Gemeinsam wurde die weitere Vorgehensweise zur Erfassung und Beschaffung der notwendigen Holzauszüge, Bauelemente usw. festgelegt. Sobald die Holzauszüge vorliegen, werden Firmen gesucht, die sich aktiv und in Form von Spenden an der Realisierung des Weltnaturerbezentrums „Haus der Wildnis“ beteiligen wollen und werden.

 


Erfolgreiche Kooperation!

Im Februar vergangenen Jahres konnte ein verletzt aufgegriffener Raufußbussard in der Greifvogel- und Eulenstation OAW des Naturschutzbundes gesundgepflegt, seitens der Wildnisgebietsverwaltung mit einem GPS-GSM-Solar-Sender versehen und wieder in die Freiheit entlassen werden.

Kurz nach seiner Freilassung verließ Alex, wie der Vogel genannt wird, Österreich und hielt sich einige Zeit in Tschechien auf, wo er nach einem kurzen Abstecher nach Polen, bis April blieb. Danach begann eine Wanderung, nicht wie erwartet nach Skandinavien, sondern in den „fernen“ Osten. Über Tschechien, Polen und die Ukraine wanderte der Greifvogel nach Russland. Auch dort setzte Alex seine Wanderung fort und erreichte am 21. Mai die Petschorasse, die die „Südostecke“ der Barentsee bildet. Von dort ging es weiter bis zum Jenissei Golf, dem östlichsten Punkt ihrer Wanderung. Bis dorthin hatte Alex eine Flugstrecke von mindestens 11.201 km zurückgelegt (die Entfernung resultiert aus der Summe der Strecken zwischen 2 benachbarten Ortungspunkten).

Bereits Anfang September begann Alex wieder seine Wanderung Richtung Süden. Er folgte dabei nicht jener Strecke, die der Vogel im Frühjahr genommen hatte, sondern flog direkt nach Süden, nach Kasachstan, und von dort entlang der Südgrenze Russlands in die Ukraine, um kurz danach wieder ins russische Grenzgebiet zurückzukehren, wo sich Alex noch immer aufhält.

Abschließend einige „hard Facts“ zur bisherigen Reise:

  • Die lineare Entfernung zwischen Freilassungsort und östlichstem Ortungspunkt beträgt mehr als 7.000 km.
  • Bis zum östlichsten Punkt der Reise legte Alex mindestens 11.201 km zurück.
  • Seit Beginn der Freilassung flog Alex mindestens 18.305 km.
  • Die weiteste Flugstecke in einem Monat wurde im Mai mit mindestens 4.863 km zurückgelegt.


Klingendes Weltnaturerbe

Am 14. Jänner abends fand in Bruckners Bierwelt eine Veranstaltung unter dem Titel „Klingendes Weltnaturerbe“ statt. Die sehr gut besuchte Veranstaltung zeigte die Vielgestaltigkeit des südwestlichen Niederösterreichs im Bezirk Scheibbs. Nicht nur, dass das Weltnaturerbe gefeiert wurde, auch die lokalen Vereine wurden seitens LH-Stellv. Dr. Stephan Pernkopf besonders hervorgehoben. Neben LAbg. Anton Erber betonte auch die Skiweltmeisterin Katrin Zettel ihre enge Verbundenheit mit der Region. Seitens Stephan Pernkopf wurde an die Region die Urkunde des Weltnaturerbes überreicht. Bis zur Eröffnung des künftigen Weltnaturerbezentrums wird diese Urkunde in Bruckners Bierwelt zu besichtigen sein. Das geplante Zentrum sei ein wichtiger Baustein für die gesamte Region, betonte Stephan Pernkopf in seiner Rede, zumal die Einbindung von privaten Unterstützern eine Besonderheit für die Naturschutzarbeit darstellen. Danke wurde daher auch an die „Freunde des Wildnisgebietes“ sowie an alle Wirtschaftsvertreter gerichtet.

Die zahlreiche Gäste genossen nach dem offiziellen Teil die Köstlichkeiten der Region und führten angeregte Diskussionen.


Kunst trifft Weltnaturerbe

In Abstimmung mit dem Land Niederösterreich und auf Initiative von Hrn. Ing. Franz Reiterlechner kam es kurz nach Weihnachten zu einem Meeting zwischen Prof. Josef Bramer, dessen Sohn Joseph sowie dem Geschäftsführer des Wildnisgebietes, Christoph Leditznig. Inhalt des Gespräches waren Überlegungen zu einer Kooperation zwischen dem über die Grenzen Österreichs hinaus bekannten Künstler Josef Bramer und dem Wildnisgebiet. Josef Bramer zeigte großes Interesse Zeichnungen im Wildnisgebiet anzufertigen. Die Arbeiten, die als große Chance zu sehen sind, das Wildnisgebiet auch einer weiteren, kulturinteressierten Bevölkerungsgruppe bekannt zu machen, werden bis zu 5 Tage vor Ort in Anspruch nehmen. Neben den Zeichnungen wird auch überlegt, aus den Ergebnissen dieser Arbeit ein Buch, das gemeinsam mit Joseph Bramer Jun., der als Fotograph arbeiten würde, herauszubringen.

Prof. Bramer stellte auch in Aussicht, die Bilder in einer Ausstellung zu präsentieren und durch den Verkauf einzelner Objekte das Wildnisgebiet finanziell zu unterstützen.


Kooperation gefestigt

Am 28. November 2017 unterzeichneten die Direktoren des Nationalparks Kalkalpen, Erich Mayrhofer, des Nationalparks Gesäuse, Herbert Wölger und des Wildnisgebietes Dürrenstein, Christoph Leditznig in Molln eine Vereinbarung zur Gründung eines Vereines. Inhalt diese Vereines ist eine stärkere Zusammenarbeit der drei genannten Schutzgebiete. Wie der Vereinsname „Weltnaturerbe Buchenwälder in den Nördlichen Kalkalpen – Eisenwurzen – kurz WEBU“ schon bezeichnender Weise aussagt, ist ein wesentliches Ziel dieses Vereines die Bewahrung alter Buchenwälder und Buchenurwälder. Den Weltnaturerbeflächen im Wildnisgebiet und im Nationalpark Kalkalpen gilt dabei natürlich besonderes Augenmerk. Der Verein soll dabei auch Ideen des Netzwerkes Naturwald unterstützen und bei Bedarf die Trägerschaft für bundesländerübergreifende Projekte übernehmen. Das Netzwerk Naturwald hat zum Ziel ökologisch wertvolle Flächen zwischen Oberösterreich, der Steiermark und dem Wildnisgebiet zu verbinden bzw. Trittsteine oder Korridore zu schaffen, ohne jedoch unbedingt neue Schutzgebiete zu etablieren. Es sollen Projekte initiiert bzw. bei deren Entwicklung und Umsetzung soll den Projektbetreibern hilfreich unter die Arme gegriffen werden. Christoph Leditznig sieht den Verein als Baustein im Bestreben, dass eine Region die naturräumlich zusammengehört, auch stärker zusammenwächst. Dies betrifft aber nicht nur Fragen der Ökologie und des Naturschutzes, sondern sehr wohl auch das gemeinsame Interesse an einem „vernünftigen“ Tourismuskonzept, so Leditznig weiter. Der Verein sieht auch die Möglichkeit vor, allfällige Interessenten, wie z.B. die Naturparke der Region, in den Verein aufzunehmen und in die aktive Arbeit einzubinden.

 

 


Das Weltnaturerbezentrum – Haus der Wildnis

Bei der Urkundenverleihung der UNESCO-Weltnaturerbeauszeichnung verkündeten Landeshauptfrau Mikl-Leitner und LHStv Stephan Pernkopf an, dass  diese selten verliehene Auszeichnung eine große Verantwortung mit sich ziehe, die über den Schutz der Gebiete hinaus geht. Daher ist der Bau eines Weltnaturerbezentrums (Hause der Wildnis), in dem der Wert  der Wälder, der Natur und ihre ökologischen Funktionen  vermittelt werden können geplant. 

Die Planung des Gebäudes ist bereits im Laufen, wobei eine starke private Beteiligung maßgeblich zum Erfolg des Projektes beitragen wird. Daher ist die Gründung eines Kuratoriums angedacht.

Das Weltnaturerbezentrum soll ein Regionsprojekt werden, das mit Hilfe neuer Techniken und einer interaktiven Ausstellung den Besuchern den Urwald und das gesamte Wildnisgebiet bzw. Weltnaturerbe erlebbar machen soll.

In letzter Konsequenz hängt die Existenz der Menschheit von einfachen, grundsätzlichen, ökologischen Regelkreisläufen ab. Zu den wesentlichen Aufgaben von Schutzgebieten gehört es auch, an ihrem Beispiel ein Verständnis für diese ökologischen Prozesse von früher Jugend an zu lehren. Am besten verständlich wird die Thematik, indem die emotionale Verbundenheit mit der Natur geweckt wird. Denn in jedem von uns steckt die Liebe zum Leben.

Das Haus der Wildnis  soll diese Form der Lehre ermöglichen, ohne dass eines der letzten Reste unberührter Natur durch ein übermäßiges Betreten von Menschen belastet wird. Auf diese Weise geben wir den nächsten Generationen das Werkzeug in die Hand, ihr eigenes Überleben zu sichern.

 


Überreichung der UNESCO-Weltnaturerbeurkunde

Umweltminister Andrä Rupprechter überreichte die Urkunden an Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und  LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf
Umweltminister Andrä Rupprechter überreichte die Urkunden an Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf

Am 14. November wurde die Urkunde "Ancient and Primeval Beech Forests of the Carpathians and Other Regions in Europe"  in St. Pölten offiziell an die Schutzgebiete Wildnisgebiet Dürrenstein und Nationalpark Kalkalpen überreicht.

 

LH Mikl-Leitner, BM Rupprechter und LHStv Strugl beteuerten, was für eine Ehre die selten verliehene Auszeichnung des Weltnaturerbes für Österreich ist und wie in weiterer Folge verantwortungsvoll damit umgegangen werden muss! Die Welterbestätte umfasst Wäldern aus zwölf Staaten mit 78 Teilgebieten und 92.000 Hektar an streng geschützten Buchenwäldern. Österreich ist mit rund 7119 Hektar an geschützten Wäldern beteiligt, davon umfasst sind rund die Hälfte der Fläche des Wildnisgebietes Dürrenstein (1867 Hektar) und rund ein Viertel des Nationalparks Kalkalpen (5252 Hektar).

Nicht ein einziges der Gebiete darf von Zerstörung bedroht sein, oder sämtliche Gebiete verlieren ihre Anerkennung. Daher hat der Schutz dieser Flächen besondere Priorität. Teil dieser Verantwortung sei es in Österreich auch ein Weltnaturerbezentrum zu bauen, in dem der Wert  der Wälder und ihre ökologischen Funktionen  vermittelt werden können. 

Am Beginn der Zeremonie wurde eine Videoübertragung der UNESCO abgespielt und ein Film über das gesamte Weltnaturerbe  "Ancient and Primeval Beech Forests of the Carpathians and Other Regions in Europe" gezeigt: Nach der Eiszeit entwickelten sich die Buchenwälder zur dominanten Waldgesellschaft für große Teile Europas. Buchen bildeten oftmals sogar die Baumgrenze. Durch die Urbarmachung unserer Landschaft wurden im Laufe der Jahrtausende große Flächen an Wäldern gerodet und der Waldanteil wurde in vielen Ländern weit unter 50 % gedrückt. Das Waldbild und die Baumartenzusammensetzungen änderten sich infolge des menschlichen Einflusses. Buchenwälder in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen boten eine Vielzahl von Lebewesen Lebensraum. Durch das Zurückdrängen der Buche verloren viele Arten ihre Existenzgrundlage.

Die Auszeichnung als Weltnaturerbestätte soll den Erhalt der letzten naturnahen Buchenwaldreste sichern, damit auch die nächsten Generationen die Chance haben sich am Erbe dieser nahezu unberührten Wälder zu erfreuen.


Das Neophytenproblem – was tun?

Es ist ein emotionales Thema und wie bei allen komplexen Problemen gibt es auch hier keine einfache Lösung. Wenn gebietsfremde Arten durch die zunehmende Mobilität des Menschen eingeschleppt werden, kann sich dabei das Konkurrenzgefüge in einem Ökosystem stark verändert. Daher sieht sich der Mensch gezwungen ein Problem zu bekämpfen, das er selbst verursacht hat.

Es benötigt an vielen Stellen große Aufwendungen dem entgegenzuwirken und doch kann die Invasion mancher Ankömmlinge trotzdem nicht aufgehalten werden. Die Frage ist: wie soll darauf reagiert werden und wann macht es überhaupt einen Sinn etwas zu tun?

Auch im Wildnisgebiet setzen wir uns mit dem Problem auseinander. Neophyten, wie der Staudenknöterich und das Springkraut fanden mit Hilfe des Menschen ihren Weg in einen Lebensraum, in dem sie ohne Fremdeinwirkung (mit großer Wahrscheinlichkeit) nicht vorkommen würden.

Wo diese Pflanzen einfallen wächst außer ihnen nichts mehr. Sie breiten sich aus, wo es ihnen passt und es passt ihnen fast überall. Da hilf auch kein Mähen und Ausreißen mehr.

Im Wildnisgebiet sind die betroffenen Stellen so klein und von geringer Ausdehnung, dass es durchaus möglich ist mit genügend Konsequenz die Invasion zu verhindern. Eine Plane, die den Staudenknöterich vollkommen abdeckt soll bewirken, dass die Pflanze nach einigen   Jahren tatsächlich wieder verschwindet. Das Springkraut wurde durch manuelles Ausreißen stark reduziert und das verbliebene geringe Vorkommen vom Rotwild so stark verbissen dass es mittlerweile im Wildnisgebiet nicht mehr vor kommt.

Vom Menschen verbreitete, invasive Arten sind auf jeden Fall ein ernst zu nehmendes Problem, dass nicht immer in den Griff zu bekommen ist und es daher auch in manchen Fällen zwecklos ist es zu versuchen. Wo allerdings bei einem Neuauftreten die Möglichkeit besteht die Gefahr abzuwenden sollte unbedingt rasch und entschlossen gehandelt werden. Dann stehen die Chancen noch sehr gut eine Etablierung und flächige Ausbreitung dauerhaft zu unterbinden.


Baumklettern für Nistkästen

Anfang Oktober 2017 wurde im Wildnisgebiet erstmals die Baumklettertechnik angewandt, um zwei Nistkästen in sehr steilem Gelände zu warten bzw. zu reparieren. Multitalent und Baumkletterer Stefan Knöpfer (www.ornithoclimbing.at) unterstützte uns mit seinem Können, seiner Geschicklichkeit und seinem ökologischen Verständnis tatkräftig und mit vollem Einsatz, um zwei Nistkästen zu demontieren und einen davon zu reparieren. Ornithologe und Eulenmonitoring-Kollege Gerhard Rotheneder unterstützte uns mit der Baumklettertechnik tatkräftig und mit vollem Einsatz bei der Wiedermontage des Lärchennistkastens.

Das sichere Ersteigen hoher oder alter Bäume bedarf speziellen Baumklettertechniken. Wichtig ist dabei, den Baum so wenig wie möglich zu beeinflussen, da jede Beeinträchtigung dem teilweise sensiblen Biotop schaden kann. Besonders ist der Einsatz von Steigeisen bei Bäumen, die nicht gefällt werden sollen, zu vermeiden, da durch die entstehenden Wunden Krankheitserreger eingetragen werden können. Solche Vorgänge passieren ebenfalls auf natürlichem Wege, wir haben aber die Möglichkeit diese zu vermeiden. Gerade bei Urwaldbäumen ist die SRT (Single Rope Technik) zu bevorzugen, da es zu fast keiner Seilreibung an den Ankerpunkten kommt. Der dort oft spezielle Moosbewuchs und die Kleinstorganismen in den Gabeln werden dadurch nicht beschädigt. Epiphyten werden nicht zerstört. 

Das Seil wird mittels Schleuder und Zugleine eingebaut. Aufgestiegen wird mit verschiedenen Equipment, darunter verschiedene Rollen und Klemmen wie Bruststeig- und Fußsteigklemme. Auch Klemmknotenseile spielen eine wichtige Rolle. Das Baumklettern bringt natürlich auch immer ein gewisses Risiko mit sich, da ein Unfall im Baum schwere Folgen für den Kletterer haben kann. Daher sind eine Ausbildung und ein Wissen über die Risiken und deren Vermeidung sowie regelmäßiges Training unumgänglich!

Die beiden gewarteten Nistkästen wurden 2009 in der Anfangsphase der Habichtskauz-Wiederansiedlung montiert. Bei dem ersten gewarteten Nistkasten handelte es sich um einen Plastiknistkasten - das Nistkastenmodell, das im Biosphärenpark Wienerwald verwendet wird und wovon damals von Projektleiter Richard Zink vier Stück in der Region um das Wildnisgebiet montiert wurden. Der zweite gewartete Nistkasten war ein Lärchennistkasten im Westteil des Wildnisgebietes, der damals vom Wildnisgebietsteam montiert wurde. Die Nistkästen wurden abmontiert und in gewartetem Zustand wieder montiert.

Seit 2012 gab es in der Region um das Wildnisgebiet einige Habichtskauz-Bruten. Aber auch andere Vogelarten brüten in den Nistkästen: Waldkäuze brüten in den Nistkästen vor allem in Wirtschaftswäldern außerhalb des Wildnisgebietes. Bei den Nistkastenkontrollen wurden auch schon ein Trauerschnäpper, eine Hohltaube und ein Kleiber in den Nistkästen gefunden.

Text: Stefan Knöpfer, Ingrid Kohl

Fotos: Ingrid Kohl

www.ornithoclimbing.at

www.natuerlichkunst.at

 


World Owl Conference 2017

Die World Owl Conference 2017 fand von 26. bis 30. September 2017 in der UNESCO Weltkulturerbestadt Évora in Portugal statt. Tagungsort war die Universität Évora, das Colégio do Espírito Santo. In der Vergangenheit hatte die World Owl Conference 1987 und 1997 in Manitoba in Canada, 2000 in Canberra in Australien sowie 2007 in Groningen in den Niederlanden stattgefunden.

Auch das Wildnisgebiet war auf der World Owl Conference 2017 in Évora mit Vorträgen über die dort durchgeführten Eulenprojekte vertreten, sowohl zur Hauptkonferenz als auch bei einem Workshop: während der Hauptkonferenz wurden am 29. September 2017 das Eulenmonitoring (Thomas Hochebner, Ingrid Kohl) sowie die Habichtskauz-Wiederansiedlung (Ingrid Kohl) vorgestellt; im Workshop am 26. September 2017 konnten die Telemetrie-Techniken aus dem Habichtskauzprojekt (Ingrid Kohl) näher beleuchtet werden.

Beitrag des Wildnisgebietes auf der Konferenz

Somit war das Wildnisgebiet am WOC 2017 in Évora mit drei Vorträgen vertreten. In einem vierten Vortrag, in dem es um das Gesamtprojekt der Wiederansiedlung des Habichtskauzes in Österreich ging (Richard Zink), war das Wildnisgebiet Thema als eines der beiden Freilassungsgebiete neben dem Biosphärenpark Wienerwald. Im Telemetrie-Workshop wurden die Besenderungsmethoden als auch die Telemetrietechnologien vorgestellt, die im Wildnisgebiet seit 2009 im Habichtskauzprojekt angewandt wurden und werden (Ingrid Kohl). Zur Hauptkonferenz wurde das Habichtskauzprojekt im Wildnisgebiet sowie die wichtigsten Ergebnisse von 2009 bis 2017 vorgestellt (Ingrid Kohl). Im Vortrag über das Eulenmonitoring-Projekt im Wildnisgebiet, das seit 2015 durchgeführt wird (Thomas Hochebner, Ingrid Kohl) wurden die Ergebnisse der ersten drei von fünf Projektjahren vorgestellt. In Abhängigkeit zu Buchenmast-Zyklen und Kleinsäuger-Zyklen konnten in den ersten drei Jahren des Eulenmonitorings in unterschiedlicher Häufigkeit Raufußkäuze, Sperlingskäuze, Waldkäuze, Habichtskäuze und im Sommer 2017 erstmals junge Waldohreulen festgestellt werden. Mit einer Seehöhe von mehr als 1.400 m NN gehört dieser Brutnachweis von Waldohreulen zu den höchsten Österreichs.

Damit waren das seit 2008 durchgeführte Habichtskauz-Projekt in Österreich bzw. im Wildnisgebiet sowie das seit 2015 durchgeführte Eulenmonitoring-Projekt im Wildnisgebiet zwei von ganz wenigen Projekten aus dem deutschsprachigen Raum, die am WOC präsentiert wurden.

Das Wildnisgebiet Dürrenstein mit dem Urwald Rothwald ist ein IUCN Schutzgebiet der Kategorien Ia (Strict Nature Reserve) und Ib (Wilderness Area) sowie UNESCO Weltnaturerbe. Mit einem Urwald von 400 ha in Mitteleuropa und seinem strengen Schutzstatus auf einer Fläche von derzeit 3.500 ha hat das Wildnisgebiet besondere Bedeutung als Reservat für viele seltene Arten und somit als Genpool, als besonderes Habitat für alle Organismengruppen sowie mit seinen mächtigen Bäumen Brutmöglichkeiten für alle Baumhöhlenbrüter wie auch die Eulen. Dadurch war das Wildnisgebiet mit seinem Lebensraum als einzigartiges Schutzgebiet in Mitteleuropa prädestiniert, seine Eulenfauna auf der World Owl Conference 2017 vorzustellen. In einem Urwald, Wildnisgebiet oder Altholzbestand gibt es nicht nur viele Brutmöglichkeiten für Eulen, auch die Koexistenz mehrerer Eulenarten ist einfacher in einem Lebensraum wie diesem durch das Angebot an Brutmöglichkeiten, Deckung sowie das Nahrungsangebot.

Die World Owl Conference 2017

121 Teilnehmer aus 30 Nationen aus der ganzen Welt nahmen an der Konferenz teil. Das Konferenzprogramm bestand aus zwei Workshops, einem Round Table, einem Symposium, vier Keynote-Vorträgen, 63 Vorträgen, 23 Postern, einer Weinverkostung, einem abendlichen Fado-Konzert sowie zwei Exkursionen anschließend an die Konferenz am 1. Oktober 2017. Am ersten Konferenztag befassten sich die zwei Workshops mit Bildungsarbeit sowie Telemetrie, Nestcams und Datenanalysen; das Symposium behandelte die Themen Hochspannungsleitungen, Windkraftanlagen sowie Verkehrsopfer; der Round Table behandelte die Schleiereule und grenzübergreifende Forschung.

Die vier folgenden Vortragstage wurden ohne Parallelsessions durchgeführt, sodass alle Vorträge gehört werden konnten. Es waren unter anderem Forscher aus Australien, Japan, China, Nepal, Indien, Südafrika, Ägypten, Hawaii, Canada, USA, México, Finnland, Norwegen, Griechenland, Ukraine, Schottland, England, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Slowenien, Schweiz, Österreich, Spanien und Portugal als Gastgeberland vertreten. Es konnten Forschungsarbeiten, Bildungsarbeit sowie Artenschutzprojekte aus vielen Teilen der Erde vorgestellt werden.

Mit Keynote-Vorträgen beehrten Pertti Saurola aus Finnland, David H. Johnson aus den USA, Al Vrezec aus Slowenien sowie Erkki Korpimäki aus Finnland die Konferenzteilnehmer. Themenblöcke der vier Vortragstage umfassten Brutbiologie und Verhalten, Artenschutz und Lebensraumerhaltung, Kultur, Methoden, Evolution, Taxonomie und Phylogenie, Monitoring, Migration und Verbreitung, Wanderverhalten und Habitat sowie Ökologie. Behandelt wurden unter anderem Eulenarten wie Schleiereule, Kaninchenkauz, Sumpfohreule, Schneeeule, Bartkauz, Habichtskauz, Waldkauz, Raufußkauz, Sperlingskauz, Uhu, Zwergohreule, Steinkauz, Fahlkauz, Schmuckeule oder Schmuck-Zwergohreule (Unterart: Lanyu-Schmuckeule), Mangokauz, Streifenkauz, Virginia-Uhu, Davidskauz, Pueo oder Hawaiianische Sumpfohreule, Sägekauz sowie Kläfferkauz. Waren zur Zeit der World Owl Conference 2007 erst 206 Eulenarten weltweit anerkannt, waren es 2017 bereits 247 beschriebene Eulenarten weltweit.

Eröffnet wurde die Konferenz durch die Rektorin der Universität Évora Ana Costa Freitas, dem Bezirkshauptmann von Évora Carlos Pinto de Sá, dem Präsidenten von CCDR Alentejo Roberto Pereira Grilo, dem Direktor vom ICNF Alentejo Department für Naturschutz und Wälder Pedro Rocha sowie dem Vorsitzenden von LabOr/ICAAM João E. Rabaça. Das wissenschaftliche Komitee setzte sich zusammen aus David H. Johnson (Global Owl Project), James Duncan, Dries Van Nieuwenhuyse, Ricardo Tomé, Rui Lourenço und Inês Roque. Das Organisationsteam vor Ort bestand aus Inês Roque, Carlos Godinho, Rui Lourenço, Ana Marques sowie João E. Rabaça. Das internationale Netzwerk setzte sich zusammen aus Hein Bloem, Roy Leigh, Karla Bloem, James Duncan, Dries Van Nieuwenhuyse, David H. Johnson und Aki Higuchi. Das Freiwilligenteam setzte sich zusammen aus André Oliveira, Cátia Gamito, Patrícia Santos, Pedro Freitas, Pedro Ribeiro, Rui Silva, Shirley Horst, Cláudia Lopes und Luisa Crisóstomo.

Ein herzlicher Dank gilt dem gesamten Organisationsteam sowie allen Teilnehmern für das Ermöglichen einer derart reichhaltigen und wertvollen Weltkonferenz!

Fotos: Rui Lourenço, Assen Ignatov, Thomas Hochebner, Ingrid Kohl

www.woc2017.uevora.pt/en/ 

www.woc2017.uevora.pt/en/programme/

World Owl Conference 2017